Nachdem bei einem Drohnenangriff durch die vom Iran unterstützten Huthi-Terroristen drei US-Soldaten in Jordanien getötet wurden, wuchsen zu Wochenbeginn erneut die Sorgen vor einem Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Aufgrund der anhaltenden Instabilität im Nahen Osten ist das Interesse der Anleger an Gold als sicherer Hafen aktuell unvermindert hoch. Diese kurzfristig erhöhte Nachfrage spiegelt sich auch am US-Terminmarkt für Gold wider, der in den letzten beiden Wochen eine leichte Stärke zeigte, was auf ein aktuell ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage hindeutet. Dies überrascht, denn insgesamt ist der Terminmarkt seit längerer Zeit bereits deutlich überkauft, was grundsätzlich Raum für eine deutliche Korrektur ließe in dem aktuellen Umfeld guter Wirtschaftszahlen.

Zusätzliche Nachfrage kommt aktuell auch aus China, dessen Goldimporte auf ein Rekordhoch angestiegen waren, da die Chinesen versuchen ihr Vermögen vor einer weiteren Abwertung des Yuan abzusichern. Der Einbruch des Immobilienmarktes und die Sorgen vor einem Crash des Aktienmarktes verunsichern die Chinesen, die deshalb zunehmend in den sicheren Hafen des Goldes fliehen.

Der Goldpreis hält sich seit Jahresbeginn in einer sehr engen Handelsspanne oberhalb der wichtigen Unterstützung von 2.000 US-Dollar je Feinunze und unterhalb des Allzeithochs um die Marke von 2.080 US-Dollar. Starke Wirtschaftszahlen aus den USA haben die Erwartung des Marktes für Zinssenkungen zuletzt gedämpft, für eine Stärke des US-Dollars gesorgt und so auf den Goldpreis gedrückt. Trotz der starken Wirtschaftsdaten und eines sehr bullischen Sentiments kam es bis dato zu keinem Ausbruch aus dieser Handelsspanne. Diese Unsicherheit hängt mit den Spekulationen der Investoren über den Zeitpunkt erster Zinssenkungen in den USA zusammen. Je mehr sich die Möglichkeit einer Zinssenkung im März verringert, desto stärker wird aktuell der US-Dollar und desto größer der Verkaufsdruck am Goldmarkt.

Diese Woche wird entscheidend für die kurz- bis mittelfristige Entwicklung des Goldpreises sein, da es am Mittwoch den ersten Zinsentscheid bzw. das Ergebnis der ersten Sitzung des Offenmarktausschusses in diesem Jahr geben wird am Mittwochabend. Insbesondere die im Anschluss folgende Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell dürfte den US-Dollar und somit den Goldpreis bewegen. Ein Ausbruch aus der engen Handelsspanne, in der der Goldpreis bis dato gefangen ist, wird deshalb in dieser Woche denkbar.

Der US-Dollar startete stark in das neue Jahr und verhinderte so eine Fortsetzung des Preisanstiegs am Goldmarkt im neuen Jahr.

Der US-Dollar startete stark in das neue Jahr und verhinderte so eine Fortsetzung des Preisanstiegs am Goldmarkt im neuen Jahr

Fed nicht in Zugzwang

Die Erwartung früherer Zinssenkungen wurde durch starke Wirtschaftsberichte aus den USA gedämpft. Die Federal Reserve dürfte sich nicht unter Druck gesetzt fühlen die finanziellen Bedingungen zu lockern, wenn das Risiko einer Rezession sinkt. Ein bedeutendes Ereignis, das den Goldmarkt in der letzten Woche beeinflusste, war die Veröffentlichung der PMI-Bewertung von S&P Global für den US-amerikanischen Industriesektor, die die Erwartungen übertraf und auf eine Expansion im Industriesektor hindeutete. Dies führte zu einem Rückgang des Goldpreises, der kurzzeitig unter 2.015 US-Dollar fiel.

Auch das Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts für das letzte Quartal 2023 fiel mit +3,3 % stärker aus als es der Markt erwartet hatte. Trotz der starken Wirtschaftsdaten blieb der Goldpreis im Vorfeld der Notenbanksitzung stabil, obwohl es Gerüchte über mögliche hawkishe Signale gibt, die die Federal Reserve am Mittwochabend an die Märkte senden könnte.

Der Goldpreis hält sich bisher hartnäckig oberhalb der Unterstützung bei 2.000 US-Dollar

Der Goldpreis hält sich bisher hartnäckig oberhalb der Unterstützung bei 2.000 US-Dollar

EZB uneins über Beginn von Zinssenkungen

Die Notenbanker der Europäischen Zentralbank sind sich uneins über den Zeitpunkt erster Zinssenkungen in diesem Jahr. So hatte der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau die Möglichkeit einer früheren Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) in Aussicht gestellt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sah eine Diskussion über Zinssenkungen hingegen als verfrüht an und das niederländische Ratsmitglied Klaas Knot nannte Juni als frühestem Zeitpunkt für eine Zinssenkung. Auch Österreichs Gouverneur Robert Holzmann und andere äußerten Bedenken über voreilige Zinssenkungen.
EZB-Chefökonom Philip Lane und andere Ratsmitglieder warten hingegen auf die Veröffentlichung der Lohndaten, die Ende April verfügbar sein werden. Villeroy warnte vor den Risiken sowohl zu früher als auch zu später Zinssenkungen, und mehrere EZB-Vertreter erwägen eine Zinssenkung vor Mai.
Am Geldmarkt wird eine Zinssenkung im April mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von 90 % bereits eingepreist und eine Senkung der Leitzinsen von 146 Basispunkten erwartet. In dieser Woche werden mehrere EZB-Vertreter Reden halten und am Donnerstag die neuesten Inflationszahlen für die Eurozone veröffentlicht werden, wobei ein Rückgang der Teuerung in der Eurozone auf 2,7 % erwartet wird.

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Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.