Die Rekordfahrt bei den Edelmetallen beschleunigt sich. Umso entspannter warten Investoren auf die Fed-Sitzung am Mittwoch.

Auf immer neue Rekordhochs schießen Gold und Silber nach oben. Am Montag, 26. Januar, ist der Goldpreis im asiatischen Handel erstmals auf mehr als 5.000 US-Dollar je Unze geklettert und notiert aktuell bei rund 5.085 US-Dollar. Damit hat die Notierung des Edelmetalls seit Jahresanfang um sensationelle 17,7 Prozent zugelegt – Wahnsinn!

Dabei war der Silberpreis bereits am Freitag, 23. Januar, zum ersten Mal auf mehr als 100 US-Dollar je Unze gestiegen und ist am Montag, 26. Januar, sogar bis auf 110 US-Dollar nach oben geschossen, ehe die Notierung leicht auf aktuell 109 US-Dollar nachgegeben hat. Gegenüber Jahresanfang steht damit eine Kursexplosion um 52,1 Prozent zu Buche – unglaublich, oder?

Für die Rekordfahrt bei Gold gibt es eine Reihe von Gründen, beispielsweise die Geopolitik. Nachdem die Grönlandkrise „gelöst“ ist, können jederzeit andere Krisen hochkochen. So könnte die USA unter Präsident Donald Trump einen Angriff auf den Iran starten oder auf Kuba. Dass in diesem Umfeld der sichere Hafen Gold mehr gefragt ist als je zuvor, sollte niemanden überraschen.

Gleichzeitig nimmt der Druck von Trump auf die Fed weiter zu, die Zinsen weiter zu senken, nachdem sie bei den vergangenen drei Sitzungen den Leitzins um insgesamt 75 Basispunkte auf zuletzt 3,5 bis 3,75 Prozent gesenkt hat.

Gleichzeitig kauft die Fed seit Kurzem für 40 Mrd. US-Dollar pro Monat – das sind hochgerechnet 480 Mrd. US-Dollar pro Jahr – kurzfristige Staatsanleihen und heizt damit die Inflation an.

Sinkende US-Zinsen und sinkender Dollar treiben den Goldpreis nach oben

Für zusätzlichen Rückenwind beim Goldpreis sorgen die sinkenden Zinsen für 10-jährige US-Anleihen sowie der jüngste Einbruch des Dollar. So hatte US-Finanzminister Scott Bessent seinem japanischen Amtskollegen gesagt, er solle etwas gegen das Hochschießen der Zinsen für japanische Anleihen unternehmen, weil das auch die Zinsen in den USA nach oben treiben würde.

Das läuft völlig entgegen der Richtung, die Trump anstrebt, der stark sinkende Zinsen anstrebt, um so die Konjunktur anzukurbeln, beispielsweise über niedrigere Zinsen für Hypotheken oder Autokredite.

Und welche „Überraschung“: In den vergangenen Tagen haben die Zinsen für 10-jährige japanische Anleihen doch tatsächlich deutlich nachgegeben, woraufhin auch jene für 10-jährige US-Anleihen deutlich gesunken sind.

Zudem gab es Gerüchte, dass Japan zuletzt am Währungsmarkt eingegriffen und dabei US-Dollar verkauft und Yen gekauft habe, um die Talfahrt des Yen zu stoppen. In diesem Umfeld haben Investoren gleich noch kräftig beim Euro zugegriffen, woraufhin der Euro mit 1,1865 US-Dollar je Euro in die Nähe des höchsten Niveaus seit September 2021 gestiegen ist.

In diesem Umfeld ist der Dollar Index in die Nähe des niedrigsten Niveaus seit Februar 2022 gesunken. Der Dollar Index spiegelt die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen wider, allen voran dem Euro.

Sollten die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen in den nächsten Tagen und Wochen weiter sinken, während der Dollar auf Talfahrt bleibt, wovon ich jeweils ausgehe, sollte die Rekordfahrt bei Gold und Silber klar weitergehen.

Im Prinzip bedeutet die Rekordfahrt bei Gold nichts anderes als den rapiden Vertrauensverlust in den Dollar. So einfach sehe ich die Sache.

Silber ist auf der Überholspur

Wie schon in den vergangenen Monaten ist der Silberpreis zuletzt noch deutlich stärker nach oben geschossen als jener von Gold. Dabei ist Silber gerade in China stark begehrt, weshalb der Preisaufschlag für das Edelmetall in Shanghai gegenüber der Notierung in London oder New York größer ist als jemals zuvor. Das spricht für eine enorm starke Nachfrage nach Silber in China.

Gleichzeitig notiert der Silberpreis mit 109 US-Dollar je Unze um horrende 135 Prozent über der 200-Tages-Linie. Damit ist Silber stärker überkauft als seit 1980. Dennoch kann natürlich niemand vorhersagen, wie weit die Rekordfahrt noch gehen könnte.

Warten auf die Fed-Sitzung

Nachdem der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland, üblicherweise der beste Frühindikator für die Konjunktur hierzulande, im Januar bei 87,6 Punkten stagniert und damit überraschend schwach ausgefallen ist, stehen in den nächsten Tagen einmal mehr die Konjunkturdaten aus den USA im Fokus der Investoren.

Am Dienstag, 27. Januar, werden die Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen und zu den Verkäufen neuer Häuser veröffentlicht. Tags darauf, am Mittwoch, folgen die Aufträge langlebiger Gebrauchsgüter, ehe am Abend die Fed-Sitzung ganz oben auf der Agenda der Investoren steht.

Für viele Investoren ist es ausgemachte Sache, dass die Fed den Leitzins diesmal nicht senken wird. Umso spannender wird sein, was Fed-Chef Jay Powell auf der Pressekonferenz für die darauffolgende Sitzung am 18. März signalisieren wird.

In den nächsten Tagen werde ich nicht nur die Entwicklung bei Gold und Silber weiterhin ganz genau beobachten, sondern vor allem auch die Nachrichten von der weltgrößten Derivatebörse CME weiter genau im Auge haben.

Sollte sie einmal mehr die Margin für die Edelmetalle deutlich erhöhen, könnte das zumindest kurzfristig für Turbulenzen bei den Preisen sorgen. Allerdings sollte die Rekordfahrt meiner Meinung nach anschließend weitergehen.

Die Rally bei den Gold- und Silberpreisen ist mehr als beeindruckend, und derzeit sieht es nicht danach aus, als ob irgendetwas die Rekordfahrt stoppen könnte. Selbst wenn die Kurse kurzfristig nachgeben sollten, ist das meiner Meinung nach absolut kein Grund zur Verunsicherung, denn ich bleibe der Überzeugung, dass – vor dem Hintergrund der Politik von Donald Trump, der sinkende Zinsen und einen schwachen Dollar anstrebt – die Rekordfahrt bei Gold und Silber in den nächsten Monaten und Jahren klar weitergehen sollte. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir weiterhin ratsam, die Bestände an physischem Gold und Silber weiter aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.