Während die Aktienmärkte in den USA und Deutschland auf Höhenflug sind, hat sich auch der Goldpreis eindrucksvoll zurückgemeldet. Investoren warten auf US-Inflationsdaten und EZB-Sitzung.
Die Party bei S&P 500 und DAX läuft auf vollen Touren, steigen doch die Indizes von einem Rekordhoch zum nächsten. Für Rückenwind sorgen neben der Hoffnung auf eine wirtschaftsfreundliche Politik durch den nächsten US-Präsidenten Donald Trump auch die Erwartung weiterer Zinssenkungen durch Fed und EZB.
In dem Umfeld hat sich zuletzt auch der Goldpreis eindrucksvoll zurückgemeldet, ist er doch nach einem einmonatigen Seitwärtstrend am Montag, 9. Dezember plötzlich nach oben geschossen. Auslöser war die Meldung, dass die chinesische Notenbank im November nach einer mehrmonatigen Pause wieder Gold gekauft hatte.
Die Notenbank hat 0,16 Mio. Unzen Gold erworben, wodurch ihre Bestände auf rund 73 Mio. Unzen (2.270,6 Tonnen) gestiegen sind. Damit machen sie 5,9 Prozent der Währungsreserven des Landes aus, gegenüber 3,5 Prozent im Jahr 2022.
Für zusätzlichen Aufwärtsdruck bei dem Edelmetall haben andere Nachrichten aus China gesorgt. Demnach will das Land mit neuen Maßnahmen die Konjunktur ankurbeln und den Aktienmarkt nach oben treiben.
Das Politbüro hat eine „leicht lockere“ Geldpolitik angekündigt, nachdem sie seit 2011 bis jetzt „umsichtig“ war. Das deutet auf Zinssenkungen der Notenbank hin.
Zudem wurde ein „proaktivere“ Fiskalpolitik angekündigt, statt der bisher „proaktiven.“ Das deutet für Experten darauf hin, dass das Land mit massiven Fiskalprogrammen die Konjunktur ankurbeln könnte, gerade den Konsum. Je niedriger aber die Zinsen in China sind und je mehr Schulden das Land macht, umso attraktiver wird Gold.
Zinsen auf Talfahrt
Beflügelt wird der Goldpreis zudem durch den deutlichen Zinsrückgang in den USA und der Eurozone, was das Edelmetall ebenfalls deutlich attraktiver macht. Inzwischen liegen die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen nur noch knapp über 4,2 Prozent, und damit deutlich unter dem Niveau von 4,5 Prozent von Mitte November.
Zudem sind die Zinsen für 10-jährige Bundesanleihen auf nurmehr 2,11 Prozent gesunken, damit liegen die Zinsen in der Nähe des Zwei-Jahres-Tiefs. Zudem sind jene für französische Anleihen trotz des Scheiterns der Regierung von Michel Barnier mit knapp 2,9 Prozent in die Nähe der Elf-Monats-Tiefs zurückgegangen.
Damit liegt der Goldpreis bei aktuell 2.695 Dollar je Unze. Seit Jahresanfang hat die Notierung des Edelmetalls damit um sensationelle 31 Prozent zugelegt und notiert um lediglich rund 3 Prozent unter dem Rekordhoch von Ende Oktober. Es dürfte schon sehr bald geknackt werden, woraufhin die Rekordfahrt beim Goldpreis klar weitergehen sollte.
Das ist umso bemerkenswerter, weil doch der Dollar seit dem Wahlsieg von Donald Trump deutlich zugelegt hat und der Dollar Index damit in der Nähe des Zwei-Jahres-Hochs liegt. Der Index bildet die Entwicklung des Greenback gegenüber 6 wichtigen Währungen, vor allem dem Euro, ab.
Warten auf US-Inflationsdaten…
Vor dem Hintergrund der Rekordfahrt bei Gold und an den Aktienmärkten warten Investoren völlig entspannt auf die US-Inflationsdaten, die am Mittwoch, 11. Dezember um 14.30 Uhr veröffentlicht werden.
Im November soll die Inflationsrate leicht gestiegen sein auf 2,7 Prozent, nach 2,6 Prozent für Oktober. Zudem soll die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, im November bei herben 3,3 Prozent stagnieren, womit es weiterhin einen deutlichen Kaufkraftverlust für die Besitzer von Dollar gäbe.
Viele Investoren erwarten, dass – falls große Überraschungen bei den Inflationsdaten ausbleiben – die Fed bei der nächsten Sitzung am 18. Dezember den Leitzins erneut um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf dann 4,25 bis 4,5 Prozent senken dürfte. Das sollte den Goldpreis weiter beflügeln.
… und EZB-Sitzung
Erst einmal schauen Investoren aber auf die EZB-Sitzung am Donnerstag, 12. Dezember. Die Ergebnisse werden um 14.15 Uhr bekanntgegeben, um 14.45 Uhr beginnt die Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde.
Nach einer Serie schwacher Konjunkturdaten – und obwohl die Inflationsrate in den vergangenen Monaten deutlich nach oben geschossen ist – dürfte die EZB den Einlagenzins für die Banken (darüber steuert die EZB die Geldpolitik) um 25 Basispunkte auf 3,0 Prozent senken.
Ich bin mal gespannt, ob die EZB bei der Sitzung die Prognosen zu Wirtschaftswachstum und Inflation für 2025 senken wird. Schließlich hat Lagarde bislang beteuert, dass die Inflationsrate im vierten Quartal 2025 auf 2,0 Prozent zurückgehen werde, weshalb die EZB bereits bei der Sitzung am 18. Juli 2024 (!) mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte den Zinssenkungszyklus gestartet hatte. Die Volkswirte der EZB haben halt eine gute Glaskugel!
Ich bin hingegen der Überzeugung, dass der Inflationsanstieg in den nächsten Monaten – im Gegensatz zu den Beteuerungen der EZB – nicht allein auf Sondereffekten beruhen dürfte, sondern weil Trumps Politik die Inflation anheizen wird und sie über den großen Teich nach Europa herüberschwappen wird.
Gleichzeitig heizt die EZB ihrerseits mit weiteren Zinssenkungen die Inflation an, zumal sich das Geldmengenwachstum in der Eurozone in den vergangenen Monaten zusehends beschleunigt hat. Was passiert, wenn sich das Geldmengenwachstum trotz schwacher Wirtschaft beschleunigt, kann sich jeder selbst ausmalen: Die Inflationsraten steigen wieder.
Wenn in einem Umfeld steigender Inflationsraten in den USA und der Eurozone die Fed und die EZB aber nicht etwa die Zinsen erhöhen, sondern vielmehr die Zinsen weiter senken sollten, sinkt der Realzins weiter. Das wäre ein noch besseres Umfeld für Gold als ohnehin schon.
Meiner Meinung nach dürfte der Goldpreis schon bald einen Angriff auf die Rekordhochs starten und sie anschließend nach oben durchbrechen. Daher ist es weiterhin empfehlenswert, die aktuellen Preise zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.
