Der Goldpreis fiel am Dienstag auf 4.465 US-Dollar, während Silber auf 73,60 US-Dollar zurücksetzte, nachdem ein technischer Ausbruchsversuch in der Vorwoche gescheitert war. Besonders der Silberpreis erlebte in den letzten beiden Wochen eine extreme Achterbahnfahrt. Auslöser war offenbar die indische Industrie, die aufgrund einer überraschenden Erhöhung der Importabgaben von 6 % auf 15 % Käufe vorzog und ihre Lagerbestände auffüllte.
Diese Sondernachfrage trieb den Silberpreis in der vergangenen Woche nach einer Rallye von 22 % binnen weniger Tage auf über 89 US-Dollar. Nachdem die neue Steuer in Kraft getreten war und die Nachfrage sofort abebbte, wurde der komplette Preisanstieg negiert und der technische Ausbruch scheiterte. Der Rückfall auf rund 73 US-Dollar erwischte viele Silberbullen auf dem falschen Fuß und spricht dafür, dass es sich eher um ein kurzfristiges Sonderereignis als um nachhaltige Stärke handelte. Auch Platin stieg in derselben Phase kurzzeitig stark auf 2.200 US-Dollar an, nur um in dieser Woche wieder unter 1.900 US-Dollar zurückzufallen.

Nach einem Preisanstieg um 22 % zu Monatsanfang fiel der Silberpreis binnen weniger Tage zurück auf das Ausbruchsniveau.
Die Achterbahnfahrt am Edelmetallmarkt war unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Märkte zunehmend einen weiteren Zinsanstieg einpreisen. Auslöser dafür waren unter anderem der kräftige Anstieg der US-Verbraucherpreise im April auf 3,8 %, sowie der weiterhin hohe Rohölpreis von rund 103 US-Dollar. Beides schürt Sorgen vor einem weiter steigenden Preis- und Zinsdruck, was Gold und insbesondere die industriell genutzten Edelmetalle Silber, Platin und Palladium belasten würde.
Die langfristig bullische Investment-These für Gold bleibt intakt, doch haben die makroökonomischen Entwicklungen der jüngsten Zeit ein kurzfristig schwierigeres Umfeld geschaffen. Der US-Dollar legte erneut zu auf 99,3 Punkte und nähert sich damit erneut dem Widerstand bei 100 Punkten. Bei einer Straffung der Geldpolitik unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh wäre ein Ausbruch darüber möglich, wobei der folgende Short-Squeeze die Edelmetallpreise zusätzlich belasten würde.
Unterdessen stieg die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen am Dienstag mit 5,18 % auf den höchsten Stand seit 2007, während die 2-jährigen Anleihen auf 4,12 % sprangen und damit weiterhin deutlich über dem Leitzins der US-Notenbank von 3,75 % liegen. Je länger der Krieg im Mittleren Osten anhält, desto mehr belasten der Anstieg der Energiepreise, die importierte Inflation und höhere Zinsen die Wirtschaft und somit auch den Goldpreis über einen stärkeren US-Dollar und deflationäre Tendenzen. Ein glaubwürdiger Weg zu einer Deeskalation oder Frieden würde hingegen die Edelmetallpreise stützen, doch rückt dieses Szenario immer weiter in die Ferne. Setzt sich der Anstieg der Zinsen fort, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Konjunkturaufschwung abgewürgt wird.

Die Rendite langfristiger Staatsanleihen stieg über 5 % an und ist im Begriff, weiter nach oben auszubrechen.

Die Rendite der kurzfristigen Zinsen brach ebenfalls nach oben aus, womit der Fed für Zinssenkungen aktuell die Hände gebunden sind.
Warsh statt QE: Keine einfache Rückkehr zum Gelddrucken
Das Narrativ, die Fed könne mit einem weiteren QE-Programm die Zinsen einfach nach unten drücken und damit die Refinanzierung der US-Staatsschulden erleichtern, greift zu kurz. Anders als nach dem Platzen der Immobilienblase 2007 und der anschließenden Kredit- und Währungskrise von 2008 steht das Bankensystem derzeit nicht akut unter Druck. Gleichzeitig liegt die Inflation bereits auf einem erhöhten Niveau, was eine erneute massive Ausweitung der Zentralbankbilanz politisch und geldpolitisch deutlich erschwert, wenn nicht nahezu unmöglich macht.
Vor diesem Hintergrund erscheint ein neues QE-Programm kaum als gangbarer Weg. Würde die Fed bei bereits erhöhter Inflation erneut im großen Stil Staatsanleihen kaufen, könnte sie zwar kurzfristig Druck von den Renditen nehmen, würde zugleich aber neue Inflationssorgen schüren und letztlich den Zinsdruck wieder erhöhen. Der Versuch, die Zinsen über QE zu senken, könnte sich damit selbst konterkarieren.
Plausibler ist daher der von Kevin Warsh skizzierte Weg, der auf eine Reduzierung der Fed-Bilanz und einen Rückzug aus langlaufenden Staatsanleihen hinausläuft. Dadurch würde das lange Ende der Zinskurve stärker dem Markt überlassen, während gleichzeitig der geldpolitische Spielraum entstünde, am kurzen Ende auf niedrigere Leitzinsen zu wirken, ohne den Eindruck einer erneuten Monetarisierung der Staatsschulden zu erzeugen.
Für Edelmetalle wäre dieses Szenario kurzfristig eher belastend und nicht bullisch, denn ohne QE-Rückenwind würde der US-Dollar stärker und die Bilanzsumme würde womöglich gleichbleiben oder gar leicht schrumpfen, was den Edelmetallen kurzfristig den Rückenwind nehmen würde.

Der Markt verabschiedet Powell als Falken und übersieht, dass Warsh womöglich der größere Falke ist.
Goldpreis keilt sich ein – Ausbruch womöglich im Juni
Der Goldpreis konnte Anfang des Monats von seinem Tief bei 4.500 US-Dollar bis auf 4.773 US-Dollar ansteigen. Dabei hatte sich eine potenzielle Bullenflagge ausgebildet, die durchaus weiteres Potenzial bis zum nächsten Widerstandsbereich bei rund 4.900 US-Dollar bot. Während der Silberpreis aufgrund der neuen indischen Zölle stark anzog, kam der Goldpreis hingegen kaum vom Fleck. Offenbar hatten viele Investoren auf einen weiteren Anstieg und einen bullischen Ausbruch aus der potenziellen Bullenflagge gesetzt.
Als der Silberpreis jedoch zu korrigieren begann und sich zeigte, dass es sich um ein isoliertes Ereignis am Silbermarkt handelte, kam es zu einem Long-Drop. Der Goldpreis fiel zurück auf das Ausbruchsniveau bei rund 4.500 US-Dollar, unterschritt diese Marke und erreichte in dieser Woche im Tief sogar 4.450 US-Dollar. Das zeugt nicht von Stärke. Der langfristige Aufwärtstrend ist mittlerweile nur noch rund 70 US-Dollar entfernt. Dieser Bereich muss halten und ich gehe davon aus, dass er kurzfristig zunächst Bestand haben wird und sich der Preis in den kommenden Wochen weiter zwischen dem mittelfristigen Abwärtstrend seit Jahresbeginn und dem langfristigen Aufwärtstrend, der seit zweieinhalb Jahren intakt ist, einkeilen wird.
Sollte der Aufwärtstrend brechen, wäre eine stärkere Korrektur bis zur nächsten signifikanten Unterstützung wahrscheinlich. Bei einem bullischen Ausbruch über den Abwärtstrend wäre hingegen ein erneuter Anstieg bis auf 5.400 US-Dollar durchaus möglich. Insgesamt trübt sich das Gesamtbild etwas ein, weshalb man abwarten sollte, für welche Richtung sich der Markt entscheidet. Aktuell dürfte der Goldpreis weiterhin volatil seitwärts handeln, in einer relativ engen Spanne zwischen 4.400 US-Dollar auf der Unterseite und rund 5.000 US-Dollar auf der Oberseite. Sobald der Ausbruch erfolgt ist, werden wir wahrscheinlich eine dynamische Anschlussbewegung sehen.

Der Goldpreis keilt sich zunehmend ein – ein Ausbruch gibt die Richtung für die kommenden Monate vor.
Silbermarkt 2026: Das erwartete Defizit könnte sich als Illusion erweisen
Das Silver Institute erwartet für 2026 weiterhin ein strukturelles Defizit am Silbermarkt von 46,3 Millionen Unzen. Grundlage dieser Prognose ist die Annahme, dass die industrielle Nachfrage lediglich moderat um 3 % auf 639,6 Millionen Unzen zurückgehen wird, während die physische Investmentnachfrage nach Münzen und Barren trotz Rezessionssorgen nochmals kräftig um 18 % auf 257,6 Millionen Unzen steigen soll.
Immerhin rechnet man bei den ETF-Produkten mit deutlich niedrigeren Zuflüssen von nur noch 30 Millionen Unzen nach 68,3 Millionen Unzen im Vorjahr. Damit soll der Markt bereits das sechste Jahr in Folge ein Defizit aufweisen, so das Silver Institute.
Diese Defizitrechnung wird jedoch häufig kritisch betrachtet, da die Investmentnachfrage nach ETF-Produkten sowie Münzen und Barren keinen endgültigen Verbrauch darstellt. Dieses Silber verschwindet nicht aus dem Markt, sondern wird lediglich auf Halde gelegt und kann bei fallenden Preisen oder nachlassendem Sentiment jederzeit wieder als Angebot auf den Markt kommen. Für eine realistische Einschätzung des tatsächlichen physischen Verbrauchs sollte man die Investmentnachfrage daher zumindest separat betrachten und nicht mit industriellem Verbrauch gleichsetzen.
Insgesamt soll die weltweite Silbernachfrage laut World Silver Survey 2026 lediglich um 2 % auf 1,112 Milliarden Unzen sinken. Gleichzeitig soll die Minenproduktion mit 844,1 Millionen Unzen nahezu stabil bleiben, während das Recyclingangebot aufgrund der hohen Preise um 7 % auf 211,3 Millionen Unzen ansteigen soll. Trotz steigender Recyclingmengen erwartet das Silver Institute damit weiterhin eine strukturelle Unterversorgung des Marktes.
Diese Prognose erscheint jedoch optimistisch und blendet die Risiken einer möglichen Rezession weitgehend aus. Besonders die industrielle Nachfrage aus konjunktursensiblen Bereichen wie Elektronik, Photovoltaik, Automobilindustrie und Löttechnik dürfte in einer Rezession deutlich unter Druck geraten. Ein stärkerer Rückgang der industriellen Nachfrage würde das erwartete Defizit schnell eliminieren.
Auch die Annahmen zur privaten Investmentnachfrage wirken fragwürdig. Das Silver Institute begründet seinen Optimismus mit der außergewöhnlich starken Nachfrage zu Beginn des Jahres 2026, als Produktengpässe, steigende Aufgelder und massive Käufe privater Anleger zeitweise zu Liquiditätsengpässen am physischen Markt führten. Allerdings ist die Investmentnachfrage nach Münzen und Barren keineswegs dauerhaft stabil, sondern schwankt stark mit Marktstimmung, Liquidität und Preisentwicklung.
Nach zwei bereits sehr starken Jahren dürfte der Retailmarkt in vielen Regionen zunehmend gesättigt sein, während hohe oder sogar weiter steigende Realzinsen die Edelmetalle zusätzlich belasten.
Sollte es tatsächlich zu einer Rezession kommen und gleichzeitig die Geldpolitik restriktiv bleiben, könnten sowohl die industrielle Nachfrage als auch die private Investmentnachfrage gleichzeitig unter Druck geraten. In diesem Fall würde sich das aktuell erwartete Defizit sehr schnell in ein Überangebot verwandeln.
Genau dieses kombinierte Szenario aus konjunktureller Schwäche, sinkender Industrieproduktion und nachlassender Investmentnachfrage scheint die aktuelle Prognose des Silver Institute weitgehend auszublenden. Es bleibt daher wichtig, die Entwicklung der Zinsen, der Wirtschaft und des Aktienmarktes sowie die Reaktion der Geldpolitik darauf genau zu verfolgen.
Goldminenaktien profitieren massiv vom Goldpreisanstieg
Der erste große US-Goldminen-ETF, der VanEck Gold Miners ETF (GDX), feierte im Mai sein 20-jähriges Bestehen. Während Gold bei der Auflage des ETFs im Jahr 2006 noch bei rund 650 US-Dollar je Feinunze handelte, notiert der Goldpreis heute bei über 4.500 US-Dollar. Trotz dieser enormen Rally sind Goldminenaktien im historischen Vergleich noch immer günstig bewertet. Tatsächlich befindet sich der Minensektor derzeit in seiner stärksten Gewinnphase seit dem letzten großen Goldbullenmarkt.
Die großen Produzenten profitieren massiv vom hohen Goldpreis. Die Bewertungen vieler Minenunternehmen bleiben trotz der starken Kursanstiege bisher vergleichsweise niedrig. Laut VanEck liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der größten GDX-Positionen aktuell nur bei rund 20 und damit auf dem niedrigsten Niveau seit mindestens zehn Jahren. Viele Produzenten handeln trotz Rekordgewinnen lediglich zu niedrigen einstelligen oder mittleren KGVs. Folgender Chart zeigt, dass die Goldminenaktien noch einmal um das Dreifache ansteigen könnten, um zum Goldpreis ein ähnliches Bewertungsniveau zu erreichen.
Der Hintergrund hierfür liegt in der starken operativen Hebelwirkung des Sektors. Goldminen weisen hohe Fixkosten auf. Steigt der Goldpreis, fließt der Großteil des zusätzlichen Umsatzes direkt in den Gewinn. Während vor wenigen Jahren bei Goldpreisen um 1.800 US-Dollar nur Margen von wenigen Hundert Dollar je Unze erzielt wurden, liegen die Cash-Margen heute teilweise bei über 2.500 US-Dollar je Unze. Entsprechend stark reagierten zuletzt die Gewinne der Produzenten auf den Goldpreisanstieg.
Historisch tendieren Goldminenaktien dazu, dem Goldpreis in späten Phasen eines Bullenmarktes zunächst deutlich hinterherzulaufen, bevor es zu einer spekulativen Aufholbewegung kommt. Genau dies sehen wir aktuell auch an den klassischen Goldminenindizes HUI und XAU. Beide Indizes konnten sich zwar stark erholen, notieren inflationsbereinigt jedoch noch immer deutlich unter ihren Hochs aus den Jahren 2006 bis 2011.

Im Vergleich zum Anstieg des Goldpreises sind Goldminenaktien noch immer günstig bewertet.
Goldminenaktien bleiben jedoch zyklische Aktien, und sollten sich die Konjunkturaussichten weiter eintrüben, die Realzinsen hoch bleiben oder der Goldpreis stärker korrigieren, dürften auch die Minenaktien erheblich unter Druck geraten. Ein Einbruch am Standardaktienmarkt würde auch die Goldminenaktien kurzfristig mit nach unten reißen. Dies böte dann erneute Kaufchancen bei den Minenaktien, die kurzzeitig überproportional unter die Räder kommen könnten.
Aktuell sehen wir beim HUI-Goldminenindex eine hochspannende charttechnische Situation. Nachdem der Index im Hoch nahezu die Marke von 1.000 Punkten erreicht hatte, kam es zu einer scharfen Korrektur bis auf rund 680 Punkte. In den vergangenen Wochen hat sich der HUI nun zunehmend eingekeilt, sodass sich die Frage stellt, ob sich hier eine übergeordnete Bullflag ausbildet, die sich letztlich nach oben auflösen könnte. Nur wenn der Goldpreis aus seiner eingekeilten Situation bullisch ausbrechen kann, werden die Minenaktien auch bullisch folgen.
Bricht der Goldpreis hingegen nach unten aus seiner eingekeilten Formation aus und unterschreitet dabei seinen Aufwärtstrend, würde sich beim HUI eher das Bild einer Bärenflagge ergeben. In diesem Fall wäre eine weitere Korrektur bis in den Bereich um 550 Punkte möglich. Einen solchen Rücksetzer würde ich jedoch als attraktive antizyklische Kaufchance bei den Goldminenaktien ansehen und entsprechend nutzen.
Die nächsten Wochen bleiben daher entscheidend. Es wird sich zeigen, ob Gold und Silber ihre mittelfristigen Aufwärtstrends verteidigen können oder ob es zu einem finalen Abverkauf kommt. Im letztgenannten Fall dürfte sich bei den Goldminenaktien nochmals eine sehr interessante antizyklische Einstiegschance ergeben.

Der HUI-Goldminenindex keilt sich auf hohem Niveau ein. Sollte der Goldpreis bullisch aus seiner Handelsspanne ausbrechen, so handelt es sich um eine Bullflag bei den Minen mit anschließend höheren Notierungen.
Technische Analyse zu Silber: Hohe Volatilität an entscheidendem Aufwärtstrend!
CoT-Report für Silber vom 15. Mai:
Der Silberpreis stieg zur Vorwoche um gigantische 13,94 US-Dollar, ein Plus von 19 % binnen einer Woche. In dieser Zeit gingen die Spekulanten gerade einmal mit 3 Tsd. Kontrakten Long. Der CoT-Index hat sich nur minimal um 5 Punkte auf 67 Punkte verschlechtert, während der zum Open Interest adjustierte CoT-Index nur um einen Punkt auf 34 Punkte fiel.
Hier zeigt sich, dass es zu Beginn des Monats eine starke physische Nachfrage gab und der Preis deshalb kurzzeitig stark gestiegen ist. Spekulanten sprangen dann letztlich darauf auf, doch wie wir im nächsten CoT-Report sehen werden, dürfte sich dann wieder Schwäche zeigen.
Es handelte sich hier um ein isoliertes, kurzfristiges Ereignis aufgrund vorgezogener indischer Käufe im Vorfeld einer Änderung in der Steuergesetzgebung, das nicht repräsentativ für die weitere Entwicklung des Silbermarktes ist. Insgesamt sind die Terminmarktdaten für Silber mit dem zum Open Interest adjustierten CoT-Index von nur 34 Punkten eher nahe dem Verkaufsbereich und der Silbermarkt ist tendenziell überkauft.
Es gibt also jede Menge Long-Drop-Potenzial, wenn der Aufwärtstrend gebrochen wird. Deshalb sollte man vorsichtig sein. Bei einem Bruch des Aufwärtstrends heißt es sofort, die Reißleine zu ziehen und Gewinne mitzunehmen. Auf der anderen Seite haben die Spekulanten noch etwas Luft, um den Preis in dem kleinen, engen Markt tendenziell weiter nach oben zu treiben.

Der Terminmarkt ist neutral bis überkauft, womit es bei dem Bruch wichtiger Unterstützungen einen schnellen Preiseinbruch geben kann.

Die großen vier Händler an der COMEX halten nur eine relativ geringe Shortposition in Höhe von 38 Tagen der Weltproduktion.
Der Silberpreis fand nahe seines Aufwärtstrends ein Tief und ging zunächst in eine Konsolidierung über, bevor er in der vorletzten und letzten Woche um mehr als 20 % auf fast 90 US-Dollar anstieg. Getrieben wurde diese Bewegung einerseits durch Spekulanten, die am Aufwärtstrend ihre Short-Positionen eindeckten und anschließend auf die Long-Seite wechselten. Andererseits kam offenbar zusätzliche Nachfrage aus Indien auf, da Unternehmen Käufe vorzogen, bevor eine neue Steuergesetzgebung in Kraft trat. Diese vorgezogene Nachfrage verstärkte die ohnehin laufende technische Erholung und trug zur dynamischen Rallye am Silbermarkt bei.

Der starke Preisanstieg der vorletzten Woche wurde vollständig negiert, womit der Silberpreis wieder auf Ausgangsniveau zurückfiel.
Der starke Preisanstieg am Silbermarkt Mitte Mai dürfte maßgeblich durch physische Sondernachfrage aus Indien ausgelöst worden sein. Die indische Regierung hatte überraschend angekündigt, die Importabgaben auf Gold und Silber am 12. Mai von 6 % auf 15 % anzuheben. Hintergrund dieser Maßnahme war der Versuch, die hohe Edelmetallnachfrage einzudämmen, den Abfluss von Devisen zu begrenzen und das Handelsdefizit zu stabilisieren.
Offenbar führte diese kurzfristige Entscheidung unmittelbar vor Inkrafttreten der neuen Regelung zu erheblichen Vorzieheffekten bei Importeuren, Händlern und industriellen Käufern. Viele Unternehmen dürften versucht haben, ihre Lagerbestände noch schnell zu den alten Konditionen aufzufüllen, bevor die deutlich höheren Abgaben wirksam wurden.
Genau dieses Bild zeigt sich auch in den Terminmarktdaten. Der Silberpreis stieg innerhalb kurzer Zeit extrem stark an, ohne dass sich die Positionierung der Spekulanten am Terminmarkt wesentlich verändert hätte. Das spricht dafür, dass die Rallye primär durch physische Käufe und nicht durch Spekulanten getrieben wurde.
Die starke physische Nachfrage führte kurzfristig zu einer Verknappung am Markt und zog anschließend zusätzliche Spekulanten an. Nachdem diese Sondernachfrage abgearbeitet war, fiel der Preis jedoch schnell wieder zurück. Viele Spekulanten dürften die Rallye genutzt haben, um Gewinne mitzunehmen oder auf die Short-Seite zu wechseln, während andere Marktteilnehmer die hohen Preise für Absicherungsgeschäfte nutzten. Das spricht dafür, dass es sich eher um ein kurzfristiges Sondereignis als um eine nachhaltige strukturelle Stärke des Silbermarktes gehandelt haben dürfte.
Mittelfristig wirken höhere Importabgaben in Indien eher nachfragedämpfend auf den Silberpreis. Nach der Phase der vorgezogenen Käufe könnte daher wieder eine schwächere Nachfragephase folgen, sofern keine neue Investmentnachfrage in den Markt kommt.
In den vergangenen Monaten konnten wir den Silbermarkt sehr erfolgreich handeln. Wir gingen bei 53 US-Dollar Long Anfang Dezember und kauften sukzessive zu, wobei es gelang, nahe dem Hoch bei 116 US-Dollar ein Verkaufssignal zu geben, was ich mit entsprechenden Publikationen belegte. Bei 72 US-Dollar deckten wir die Short-Positionen ein und waren bis 94 US-Dollar erneut Long positioniert, bevor wir dort wieder Short gingen und bei 64 US-Dollar erneut die Gewinne eindeckten und erneut kauften, um bei 83 US-Dollar erneut zu shorten, wobei wir dann bei 73 US-Dollar letztlich die Gewinne mitnahmen und Shorts eindeckten.
Seit Anfang Mai halten wir uns jedoch zurück und sind passiv, da wir in den nächsten Wochen mit einer hochvolatilen Seitwärtsbewegung rechnen, die man nur im Daytrading nutzen kann.
Erst dann, wenn der Goldpreis aus seiner eingekeilten Situation ausbrechen kann, gibt es auch für den Silberpreis eine neue Richtungsentscheidung. Wichtig für den Silberpreis ist, dass der Aufwärtstrend intakt bleibt, sonst droht ein erneuter starker Sell-off.
Weitere Informationen zu unseren kurzfristigen Handelssignalen finden Sie unter www.blaschzokresearch.de.

Die Handelssignale der letzten Monate am Silbermarkt waren sehr treffend.
Im Zwei-Jahres-Chart zeigt sich, wie wichtig der mittelfristige Aufwärtstrend für den Silberpreis ist. Nach dem dynamischen Ausbruch über 35,50 US-Dollar und dem anschließenden Bruch des Widerstands sowie des Allzeithochs bei 50 US-Dollar beschleunigte sich der Anstieg exponentiell, bevor die scharfe Korrektur einsetzte. Solange dieser Aufwärtstrend intakt bleibt, kann der Silberpreis grundsätzlich weiter steigen.
Gleichzeitig gibt es jedoch zahlreiche Risikofaktoren. Steigende Zinsen, der Krieg im Mittleren Osten und hohe Energiepreise belasten die Wirtschaft und damit auch die industrielle Nachfrage nach Silber. Entsprechend bleibt dieser Aufwärtstrend gefährdet. Sollte er brechen, läge die nächste wichtige Unterstützung bei 50 US-Dollar. Darunter wäre ein Rücksetzer in den Bereich um 38 US-Dollar bis 40 US-Dollar je Feinunze möglich.
Sollte der Goldpreis aus seiner aktuellen Konsolidierungsformation nach unten ausbrechen, wäre genau dieses Korrekturszenario beim Silberpreis am wahrscheinlichsten. Gelingt dem Goldpreis hingegen ein bullischer Ausbruch mit einem neuen Allzeithoch, dürfte auch Silber wieder in Richtung seines Allzeithochs bei 120 US-Dollar laufen, während der Aufwärtstrend verteidigt würde.

Solange der Aufwärtstrend intakt ist, bleibt das charttechnische Bild bullisch – bricht der Aufwärtstrend, ist ein weiterer Rücksetzer wahrscheinlich.
Langfristige Analyse
Im Langfristchart zeigt sich weiterhin, dass der Silberpreis bis Mitte des vergangenen Jahres in einer sehr engen Handelsspanne von nur rund 5 US-Dollar verharrte. Erst mit dem Ausbruch über 35 US-Dollar zur Jahresmitte setzte die steile Rallye ein, die sich oberhalb des alten Allzeithochs bei 50 US-Dollar nochmals exponentiell beschleunigte.
Sollte der Goldpreis stärker korrigieren und sich die Konjunkturaussichten weiter eintrüben, wäre ein Rücksetzer des Silberpreises bis an die ehemalige Ausbruchszone bei rund 50 US-Dollar durchaus denkbar. Mit dem Tief bei 64 US-Dollar wurde diese Zone bereits fast erreicht. Kommt es zu einem weiteren Abverkauf und gleichzeitig zu einer Bereinigung am Terminmarkt, könnte auch die Marke von 50 US-Dollar getestet werden. Im ungünstigsten Fall einer Rezession oder eines stärkeren Einbruchs am Aktienmarkt in einem deflationären Umfeld wären sogar nochmals Kurse in Richtung 35 US-Dollar möglich. Dort läge langfristig ein sehr attraktives Chance-Risiko-Verhältnis mit einem klar antizyklischen Kaufsignal. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Charttechnisch und massenpsychologisch wäre ein Test des Ausbruchsniveaus bei 50 US-Dollar im weiteren Jahresverlauf jedoch realistisch.
Der Silbermarkt war in den vergangenen Monaten deutlich volatiler als in den Vorjahren, in denen sich der Preis nur in einer engen Spanne bewegte. Mittel- bis langfristig rechne ich damit, dass die Volatilität wieder abnimmt und sich der Markt beruhigt. Kurzfristig dürfte Silber jedoch volatil bleiben, wahrscheinlich über das gesamte Jahr hinweg. Genau daraus ergeben sich Chancen auf der Long-Seite wie auch auf der Short-Seite.
Bullisch für Silber wäre ein weiterer Anstieg des Goldpreises infolge exogener Faktoren, etwa eines großen Krieges oder einer sehr lockeren Fiskal- oder Geldpolitik. In diesem Fall würde Silber durch eine zunehmende Investmentnachfrage mit nach oben gezogen. Aktuell ist dieses Szenario jedoch nicht absehbar und bleibt daher reine Spekulation, auf die man nicht setzen sollte. Wir bleiben deshalb eng am Markt, handeln die kurzfristigen Signale und behalten zugleich das physische Verhältnis von Angebot und Nachfrage im Blick, um bestmögliche Trading-Ergebnisse zu erzielen.

Der Silberpreis erreichte ein neues Allzeithoch bei 121,78 US-Dollar, doch könnte es eine weitere Korrektur auf das Ausbruchsniveau bei 50 US-Dollar geben, wenn der steile Aufwärtstrend bricht.

