Der Goldpreis fiel in dieser Woche auf 4.260 US-Dollar je Feinunze zurück, während Silber auf 63,65 US-Dollar und Platin auf rund 1.750 US-Dollar nachgaben. Gleichzeitig konnte der US-Dollar-Index bis Donnerstagmittag wieder auf 101,2 Punkte ansteigen, während die Renditen am US-Anleihemarkt weiter durch die Decke gehen.
Die Mitglieder des Offenmarktausschusses der US-Notenbank zeigten sich bei der jüngsten Zinsanhebung hawkish und warnten vor weiteren Inflationsrisiken. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg mittlerweile mit 5,14 % auf ein 19-Jahreshoch, während 30-jährige US-Staatsanleihen mit 5,44 % den höchsten Stand seit 22 Jahren erreichten. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen kletterte unterdessen mit 4,94 % auf den höchsten Stand seit 2024.

Trotz der Verbalinterventionen von Scott Bessent legen die zehnjährigen Zinsen weiter zu
In diesem Umfeld haben es die Goldbullen zunehmend schwer. Eine hawkishe Fed, steigende Renditen, ein stärkerer US-Dollar und eine abnehmende Liquidität sind keine guten Voraussetzungen für weiter steigende Goldpreise. Hinzu kommt der hohe Rohölpreis, der die Weltwirtschaft zusätzlich belastet. Der Präsident der St. Louis Fed, Alberto Musalem, und der Präsident der Chicago Fed, Austan Goolsbee, signalisierten die Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen, um die aus der starken Nachfrage und steigenden Energiepreisen resultierende Inflation zu senken.
Die Fed Funds Futures preisen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von rund 75 % für eine weitere Zinserhöhung im Oktober und von etwa 95 % bis zum Jahresende ein. Der Markt stellt sich damit zunehmend auf eine weitere Straffung der Geldpolitik ein, was den Goldpreis sukzessive belastet.

Trotz der Verbalinterventionen von Scott Bessent legen die zehnjährigen Zinsen weiter zu

Die 30-jährigen Zinsen sind so hoch wie seit 22 Jahren nicht mehr. Der Zinsanstieg zog bisher keine Rezession nach sich
Es ist erstaunlich, wie robust sich die US-Wirtschaft angesichts dieses starken Zinsanstiegs bislang hält. Gleichzeitig haben sich die Verbalinterventionen von US-Finanzminister Scott Bessent, die im August noch einen wichtigen Beitrag zur Goldrallye leisteten, weitgehend in Luft aufgelöst. Die langfristigen Renditen steigen weiter und auch der US-Dollar, der durch die Interventionen von Bessent und Trump kurzzeitig deutlich unter Druck geraten war, hat sich wieder zurückgekämpft. Ein technischer Ausbruch nach oben könnte hier sogar einen Short-Squeeze auslösen und die Edelmetalle weiter belasten.
Nach den Verbalinterventionen von Bessent hatten die Goldbullen im August massiv gekauft und waren innerhalb kürzester Zeit wieder sehr bullish geworden, in der Erwartung, die Goldrallye würde sich nun fortsetzen. Viel spekulatives Kapital floss daraufhin in den Goldmarkt. Genau diese Bullen geraten jetzt unter Druck. Im Bereich zwischen 4.300 US-Dollar und 4.400 US-Dollar hätte sich die Rallye aus bullischer Sicht fortsetzen müssen, doch bislang gelingt dies nicht.
Ich hatte im vergangenen Monat mehrfach davor gewarnt, dass das makroökonomische Umfeld eine nachhaltige Goldrallye aktuell nicht unterstützt und die Augustrallye auf tönernen Füßen stehen würde. Stattdessen müsste man mit einem weiteren Anstieg des US-Dollars, steigenden Renditen, einer hawkishen Fed und bei einer Fortsetzung des Krieges auch mit einem wieder steigenden Rohölpreis rechnen. Genau dieses Szenario ist nun eingetreten. Für die Kunden von Blaschzok Research hatten wir deshalb bereits bei 4.630 US-Dollar ein Verkaufssignal für Gold gegeben und eine Short-Position eröffnet, die sich nun zunehmend auszahlt.
Sollte der Goldpreis weiter fallen, dürfte erneut die wichtige Unterstützung bei 4.000 US-Dollar in den Fokus rücken. Ein Test dieser Marke wäre besonders kritisch, da sich die spekulative Positionierung in den vergangenen zwei Monaten deutlich aufgebaut hat. Werden die Bullen zum Ausstieg gezwungen, könnte dies einen stärkeren Long-Drop auslösen. Auch Silber und Platin dürften in diesem Szenario deutlich unter Druck geraten, da beide Edelmetalle zusätzlich unter dem stärkeren US-Dollar und den hohen Zinsen leiden würden.
Überraschend bleibt, dass sich die US- und Weltwirtschaft trotz des starken Zinsanstiegs bislang relativ robust zeigen und auch die Aktienmärkte weiter haussieren. Dies kann sich jedoch schnell ändern. Angesichts der inzwischen sehr hohen Finanzierungskosten zeichnet sich das Ende des aktuellen Konjunkturzyklus zunehmend ab. Am Aktienmarkt sollte man deshalb nicht mehr zu bullish agieren, bestehende Positionen mit Stop-Loss absichern und bei Trendbrüchen beziehungsweise klaren Verkaufssignalen Gewinne mitnehmen. Bei einer Korrektur der Aktienmärkte könnte es dann nicht nur zu einer Flucht in den US-Dollar, sondern auch in Gold kommen, was dessen Preis dann mittelfristig stützen und befeuern könnte.
Chinas Goldnachfrage erreicht Rekordniveau
Chinas Goldimporte erreichten in diesem Jahr neue Rekordhöhen. In den ersten acht Monaten importierte das Land 1.141,2 Tonnen Gold und damit bereits mehr als im gesamten Jahr 2025. Allein im August stiegen die Importe im Jahresvergleich um 39,3 % auf 141,7 Tonnen. Insgesamt gab China in diesem Zeitraum rund 158,8 Mrd. US-Dollar für Goldimporte aus.
Begünstigt wurden die hohen Importe durch niedrigere internationale Goldpreise und einen stärkeren Yuan. Gleichzeitig sorgten anhaltende Preisaufschläge am chinesischen Markt dafür, dass sich Goldimporte für Banken und Händler weiterhin lohnten. Gleichzeitig nutzten die Banken ihre verfügbaren Importquoten im Rahmen des von der People’s Bank of China eingeführten Lizenzsystems stärker aus. Die hohe Investmentnachfrage zeigt sich auch bei den chinesischen Gold-ETFs, deren Bestände bis August um rund 44 Tonnen beziehungsweise 18 % seit Jahresbeginn zunahmen, während die globalen ETF-Bestände im gleichen Zeitraum weitgehend stagnierten.
Auch beim SPDR Gold Shares ETF (GLD) zeigte sich zuletzt wieder Nachfrage. In der vergangenen Woche flossen insgesamt 1,35 Mrd. US-Dollar in den Fonds, während der Kurs um 2,12 % zulegte.
Beim iShares Silver Trust (SLV) zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Seit Monatsbeginn blieb der Bestand mit einem Rückgang von lediglich 90 Tsd. Unzen nahezu unverändert. Seit Jahresbeginn summieren sich die Abflüsse jedoch auf 33,15 Mio. Unzen, wodurch der Bestand auf aktuell 526,7 Mio. Unzen zurückging.

Mit dem Preisrückgang bei Silber gab es auch deutliche Abflüsse aus dem weltgrößten Silber-ETF
Technische Analyse Gold: Bullen und Bären kämpfen weiter um die Richtungsentscheidung
Terminmarkt: CoT-Report
Der CoT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die CoT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium-Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die CoT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.
CoT-Analyse vom 18. September:
Der Goldpreis fiel zur Vorwoche um 67 US-Dollar, wofür die Spekulanten mit lediglich 8,5 Tsd. Kontrakten Short gingen. Das ist nicht viel und zeigt eine Schwäche am Goldmarkt. Der CoT-Index verbesserte sich dabei um 3 Punkte, während der CoT-Index zum Open Interest adjustiert von 0 auf 4 Punkte anstieg, aber weiterhin im Verkaufsbereich liegt.
Zum Vormonat zeigt sich eine noch deutlichere Schwäche. Der Goldpreis fiel um 60 US-Dollar, während die Spekulanten im gleichen Zeitraum sogar mit 3 Tsd. Kontrakten Long gingen. Aktuell herrscht am physischen Goldmarkt ein weitgehend ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, während die Spekulanten weiterhin extrem bullish sind und jeden Rücksetzer kaufen.
Dieses bullische Sentiment könnte dem Goldpreis beim Bruch wichtiger technischer Unterstützungen zum Verhängnis werden. Werden viele Spekulanten ausgestoppt, kann dies einen starken Long-Drop nach sich ziehen und der Goldpreis schnell und stark fallen. Deshalb bleibt die Marke um 4.000 US-Dollar entscheidend.
Aktuell kämpfen Bullen und Bären im Bereich zwischen 4.300 und 4.400 US-Dollar um eine Richtungsentscheidung. Die Bullen setzen darauf, dass von hier aus eine neue Rallye startet, scheinen diesen Kampf jedoch sukzessive zu verlieren. In diesem Bereich wurden massive Long-Positionen aufgebaut. Fällt der Goldpreis wieder in Richtung 4.000 US-Dollar und scheitern die Bullen mit ihrem Angriff, könnte auch diese Unterstützung sehr schnell brechen und eine größere Verkaufswelle auslösen.
Die CoT-Daten zum Stichtag 15. September sprechen nicht für eine unmittelbare Fortsetzung der Rallye, zeigen aber erhebliche Risiken für das aktuelle Preisniveau und weiterhin großes Long-Drop-Potenzial.

Das Sentiment ist immer noch sehr bullisch, was antizyklisch ein Warnsignal darstellt

Die BIG4 an der COMEX haben in den letzten drei Monaten ihre Shortposition ausgebaut, was bärisch und ein Warnsignal ist
Dollar und Zinsen schlagen die Goldbullen zurück
Der Terminmarkt bleibt deutlich überkauft und der zum Open Interest adjustierte CoT-Index liefert weiterhin ein Verkaufssignal. An zyklischen Tiefpunkten sehen wir normalerweise eine klare Übertreibung auf der Short-Seite, die bislang vollständig fehlt. Das weiterhin extrem bullische Sentiment spricht deshalb dafür, dass die August-Rallye primär spekulativ durch eine steigende Investmentnachfrage getragen wurde und eher den Charakter einer Bärenmarktrallye hatte.
Bei rund 4.700 US-Dollar traf der Goldpreis auf einen starken Widerstand im Bereich des April-Hochs. Gleichzeitig haben sich mehrere bullische Faktoren der August-Rallye entweder ins Gegenteil verkehrt oder als wenig nachhaltig erwiesen. Der Krieg im Mittleren Osten dauert an, der Rohölpreis handelte zuletzt wieder über 100 US-Dollar, die Fed zeigte sich hawkish und hob die Zinsen an, während auch der US-Dollar wieder steigt. Damit hat sich das kurzfristige Umfeld für Gold deutlich verschlechtert.
Noch hält sich der Goldpreis über seiner 200-Tage-Linie und oberhalb des zuvor gebrochenen Abwärtstrends. Solange diese Unterstützungen verteidigt werden, bleibt das bullische Chartbild intakt und Rücksetzer werden weiterhin gekauft. Fällt der Goldpreis jedoch erneut unter diese Marken zurück, wäre ein Test der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar wahrscheinlich.
Entscheidend bleibt die weitere Entwicklung des Rohölpreises. Hält sich dieser über 100 US-Dollar und steigt weiter in Richtung 120 US-Dollar, während die Zinsen hoch und die Fed hawkish bleibt, dürfte der Goldpreis erneut stärker unter Druck geraten. Da die jüngste Rallye stark von politischen Eingriffen wie der Yen-Intervention und den Käufen von US-Staatsanleihen getrieben wurde, bleibt mit hoher Volatilität zu rechnen. Wer die Long-Seite handelt, sollte deshalb weiterhin mit einem engen Stop-Loss arbeiten. Sollten die Bullen endgültig die Kontrolle verlieren, dürfte die nächste entscheidende Schlacht an der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar stattfinden.

Der Widerstand am vorherigen Ausbruchsniveau bei 4.700 US-Dollar hat gehalten und der Goldpreis fiel zurück auf die 200-Tage-Linie
Goldpreis in Euro: Erneuter Test des Aufwärtstrends
Der Goldpreis in Euro fiel zuletzt erneut unter die 200-Tage-Linie und notiert aktuell bei rund 3.761 € je Feinunze. Die Bullen sehen darin bislang lediglich die Korrektur einer ersten Impulswelle, auf die eine weitere Aufwärtsbewegung zu höheren Preisen folgen soll. Da das Sentiment weiterhin sehr bullisch ist, werden Rücksetzer von Spekulanten und Investoren noch immer gekauft.
Der erneute Rückfall unter die 200-Tage-Linie ist jedoch als bärisches Warnsignal zu werten. Sollten weitere Zinserhöhungen und ein erneuter Anstieg des Rohölpreises den Goldpreis zusätzlich unter Druck setzen, dürfte der mittelfristige Aufwärtstrend bei 3.600 € wieder in den Fokus rücken. Wird dieser gebrochen, hätte Gold in Euro weiteres Abwärtspotenzial bis in den Bereich um 3.000 €. Dies entspräche einem zusätzlichen Rückgang von rund 600 € je Feinunze.
Im bullischen Szenario hat der Goldpreis in Euro dagegen nicht mehr viel Luft nach unten. Spätestens im Bereich um 3.600 € je Feinunze müsste der mittelfristige Aufwärtstrend verteidigt werden. Mittlerweile wird bei der Fed über eine weitere Zinsanhebung gesprochen, während gleichzeitig der Rohölpreis und der US-Dollar wieder steigen. Diese Entwicklungen müssten sich umkehren, damit sich der Goldpreis nachhaltig erholen kann.
Kurzfristig bleibt eine trendlose Seitwärtsbewegung mit einem anschließenden Test des Aufwärtstrends das wahrscheinlichste Szenario. Gleichzeitig nehmen die Risiken zu, weshalb der mittelfristige Aufwärtstrend beim Goldpreis in Euro genau beobachtet werden sollte. Bricht dieser, wäre dies ein klares Warnsignal. In diesem Fall sollten Long-Positionen geschlossen und eine stärkere Korrektur eingeplant werden. Solange der Goldpreis jedoch über 3.600 € handelt, bleibt das charttechnische Signal bullish für weiter steigende Preise.

Der Goldpreis in Euro fiel wieder unter die 200-Tage-Linie, doch ist der Aufwärtstrend noch immer intakt

