Der Goldpreis korrigierte in den letzten zwei Wochen von einem Hoch bei 4.700 US-Dollar auf aktuell 4.400 US-Dollar je Feinunze, während der Silberpreis nur von 71 US-Dollar auf 66,60 US-Dollar fiel und eine beeindruckende Widerstandsfähigkeit zeigte. Die hawkishe Rede von US-Notenbankchef Kevin Warsh in Jackson Hole am Freitag, den 28. August, hatte die vorherige starke August-Rallye des Goldpreises beendet und eine Trendwende mit einer deutlichen Korrektur des Goldpreises auf 4.285 US-Dollar eingeleitet. Den ersten Marktteilnehmern dämmert langsam, dass sich die US-Geldpolitik ändern könnte und man nicht mehr blind auf den Fed-Put vertrauen darf.
Kevin Warsh bezeichnete in seiner Rede die aktuelle PCE-Inflationsrate von 3,7 % als „besorgniserregend“ und die aktuellen Rahmenbedingungen als nicht restriktiv, während er das Inflationsziel von zwei Prozent als expliziten Maßstab nannte. Ohne neue Liquidität für das Kreditgeldsystem können Preise und Notierungen, beispielsweise am Aktienmarkt, zwangsläufig nicht weiter unendlich in den Himmel steigen, weshalb die neue Geldpolitik eine der wichtigsten Weichenstellungen für die Märkte in den nächsten Jahren sein wird.
Das unvermindert bullische Sentiment sorgte dafür, dass Spekulanten den Rücksetzer nach Jackson Hole sofort kauften und der Goldpreis daraufhin erneut auf 4.510 US-Dollar am vergangenen Donnerstag klettern konnte. Am Freitag brach dieser jedoch erneut deutlich ein, nachdem der US-Arbeitsmarktbericht mit 162 Tsd. neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft weit über den Markterwartungen von nur 53 Tsd. lag. Zusätzlich wurden die Zahlen für Juli von -23 auf +21 Tsd. sowie für Juni und Juli kombiniert um 55 Tsd. nach oben revidiert. Der Arbeitsmarkt zeigt sich damit aktuell, trotz der hohen Zinsen, relativ stark, was der US-Notenbank mehr Spielraum für Zinsanhebungen gibt.
Die Wahrscheinlichkeit einer US-Leitzinsanhebung am 16. September um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 % bis 4 % hat sich in den letzten beiden Wochen deutlich erhöht und liegt nach den Fed Funds Futures am 9. September wieder bei 60 %, was angesichts einer Rendite für zweijährige US-Staatsanleihen von 4,4 % angemessen ist.
Aufgrund der Fortsetzung des Konflikts im Mittleren Osten stieg der Rohölpreis mittlerweile weiter auf 95 US-Dollar je Fass an, was nebst den hohen Zinsen das Wirtschaftswachstum weiterhin dämpfen wird. Der Rohölpreis überwand mittlerweile mehrere Abwärtstrends und befindet sich auf dem Weg zum Hoch bei 120 US-Dollar, das zu Anbeginn des Konflikts im März erreicht wurde. Die neuesten Terminmarktdaten der CFTC zeigen, dass sich das Bild mittlerweile völlig gedreht hat. Von April bis Juli zeigte sich ein Überangebot am Rohölmarkt, das durch die Freigabe von strategischen Rohölreserven und gleichzeitig schwächerer Nachfrage entstand, was den Preis auf unter 70 US-Dollar senkte. Seit August zeigt sich nun jedoch ein Defizit und der Preis steigt wieder, was auf stärkere Nachfrage und sich zu Ende neigende Rohöllagerbestände zurückzuführen sein dürfte. Sollte der Rohölpreis weiter auf 120 US-Dollar durchmarschieren und die Fed ihren Leitzins in diesem Monat anheben, könnte der Goldpreis erneut auf 4.000 US-Dollar je Feinunze zurückfallen und somit die kurze Augustrallye vollständig negieren.
Die medial stark gehypte Yen-Intervention und die Anleihenkäufe des US-Schatzamtes sind mittlerweile verpufft und haben ihre kurze bullische Anziehungskraft verloren, da die Auswirkungen der beiden Interventionen verschwindend gering sind. Bullisch sind hingegen die starken Gold-ETF-Zuflüsse im August von 7,9 Milliarden US-Dollar in Europa, 7,8 Milliarden in Nordamerika und 2 Milliarden in Asien. Die geografisch breite Nachfrage stützt den Aufwärtstrend, sofern die Zuflüsse anhalten.
Rekordhohe chinesische Goldkäufe im August
Die chinesische Zentralbank tätigte im August mit 20,2 Tonnen ihren größten monatlichen Goldkauf seit Oktober 2023. Sie erhöhte ihre Goldreserven den 22. Monat in Folge auf 350,1 Mrd. US-Dollar Ende August.
Auch die Schwellenländer haben in diesem Monat weiterhin Gold akkumuliert. Polen erwarb im August rund 8 Tonnen und führt die weltweite Rangliste der offiziellen staatlichen Goldkäufe in diesem Jahr mit 90 Tonnen an, während China 80 Tonnen zukaufte. Die von den Zentralbanken weltweit gemeldeten Goldkäufe belaufen sich seit Jahresbeginn auf rund 130 Tonnen, weniger als die rund 160 Tonnen, die im gleichen Zeitraum des Vorjahres gekauft wurden.
Niederländische Notenbank holt ihr Gold heim
Die niederländische Zentralbank teilte am Donnerstag mit, dass sie 78 Tonnen Gold im Wert von 11 Mrd. US-Dollar aus Tresoren in New York nach London verlagert hat. „Angesichts zunehmender geopolitischer Unruhen stärkt die DNB ihre Krisenvorsorge“, erklärte die Zentralbank. Rund ein Drittel der niederländischen Goldreserven befindet sich nun in London, während 19 % weiterhin in New York lagern.
In den letzten 18 Monaten hatten sich die Beziehungen zwischen den USA und Europa aufgrund der Zölle, der Drohungen von Präsident Trump, Grönland zu übernehmen, sowie seiner Unentschlossenheit zur militärischen Unterstützung Europas verschlechtert.
Die DNB erklärte, dass Barren bei der Bank of England dem internationalen LBMA-Marktstandard entsprechen müssen, womit sie in einer Krisensituation weltweit leicht handelbar wären, während Gold in New York nicht diesem Standard entspricht.
Viele Zentralbanken hielten ihre Goldbestände in der Zeit des Kalten Krieges aus Sicherheitsgründen an verschiedenen Standorten weltweit, wie New York und London, den beiden wichtigsten Zentren des Goldhandels, doch gibt es seit vielen Jahren einen Trend zur Heimholung.
Auch im Bundestag gibt es seit dem 18. März einen Antrag mit dem unmissverständlichen Titel „Deutsches Staatsgold vollständig nach Deutschland holen“ unter Federführung von Peter Boehringer, der bereits 2011 Hauptinitiator der Bürgerinitiative „Holt unser Gold heim!“ war. 2013 repatriierte man daraufhin bereits 300 Tonnen von New York nach Frankfurt sowie 374 Tonnen aus Paris, womit insgesamt 674 Tonnen zurück nach Deutschland verlagert wurden.
Deutschland verfügte Ende 2025 über rund 3.350 Tonnen Gold, wovon 1.710 Tonnen in Frankfurt, 1.236 Tonnen bei der Federal Reserve Bank of New York und rund 404 Tonnen bei der Bank of England in London lagern. Damit befindet sich weiterhin fast die Hälfte des deutschen Goldes im Ausland.
Goldpreis wird langfristig weiter ansteigen
Der langfristige Ausblick für Gold bleibt positiv. Hohe Staatsverschuldung, Zentralbankkäufe und die Nachfrage nach unabhängigen Wertreserven stützen den Markt. Zentralbanken kaufen Gold zur Diversifizierung ihrer Reserven und zur Verringerung ihrer Abhängigkeit von einzelnen Währungen. Physisches Gold trägt bei direktem Besitz kein Emittentenrisiko. Diese Eigenschaft gewinnt an Bedeutung, wenn Anleger die Tragfähigkeit staatlicher Schulden und die Stabilität von Währungen hinterfragen.
Das Angebot reagiert nur verzögert auf höhere Preise. Neue Minen erfordern hohe Investitionen und lange Entwicklungszeiten. Steigende Investmentnachfrage kann deshalb kurzfristig kaum durch zusätzliche Förderung ausgeglichen werden.
Silber verfügt mit seiner industriellen Nutzung über einen zusätzlichen Nachfragetreiber. Elektrotechnik, Fahrzeuge und Rechenzentren bieten Wachstumspotenzial. Bei knappem Angebot können Kapitalzuflüsse starke Preisbewegungen auslösen. Die höhere Konjunkturabhängigkeit und Materialeinsparungen in der Industrie erhöhen jedoch die Risiken.
Kurzfristig bleiben steigende Realzinsen und eine restriktivere US-Geldpolitik Belastungsfaktoren. Korrekturen während langfristiger Bullenmärkte sind normal und gesund, wobei der Markt von übermäßiger Spekulation bereinigt wird, was langfristig orientierten Käufern immer wieder neue Gelegenheiten bietet, günstig zu niedrigeren Preisen einzusteigen. Das Ende der aktuell laufenden Korrektur wird daher wieder gute Chancen für Investoren liefern, die ihr Vermögen gegen Inflation absichern wollen.
Die Schulden wachsen weiter an, während die geopolitischen Risiken zunehmen, worauf die Gefahr wächst, dass die Notenbanken in der Zukunft wieder mit dem Drucken von Geld auf Krisen reagieren werden, was letztlich den Goldpreis auf neue Höhen treiben wird. Kurzfristig bleibt jedoch die Gefahr einer restriktiven US-Geldpolitik in einem deflationären Umfeld bei hohen Zinsen, was eine erneute Rallye noch verhindert.
Technische Analyse Gold: Bullisches Sentiment stützt den Goldpreis bei 4.400 US-Dollar
Terminmarkt: CoT-Report
Der CoT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die CoT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium-Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die CoT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.
CoT-Analyse vom 4. September:
Der Goldpreis fiel in der vergangenen Handelswoche um 320 US-Dollar je Feinunze, während die Spekulanten in der gleichen Zeit mit lediglich 15 Tsd. Kontrakten short gingen. Das zeigt eine Schwäche, nachdem sich in der Vorwoche noch eine Stärke in ähnlichem Ausmaß gezeigt hatte. Auf die Euphorie folgte damit eine schnelle Ernüchterung.
Der absolute CoT-Index liegt mit 30 Punkten weiterhin eher im bärischen Bereich, während der CoT-Index zum Open Interest adjustiert mit nur 4 Punkten klar im Verkaufsbereich notiert. Zum Vormonat zeigt sich noch eine leichte Stärke, was angesichts der starken Investmentnachfrage im August jedoch nicht verwundert.
In den vergangenen drei Wochen sind die CoT-Daten unterm Strich neutral. Damit zeigt sich ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei einem gleichzeitig stark überkauften Terminmarkt.
Zinsanhebungen und ein steigender Rohölpreis sind mögliche Trigger für eine spekulative Bereinigung, die den Goldpreis deutlich tiefer bringen könnte. Da das Sentiment weiterhin extrem bullisch ist, besteht erhebliches Long-Drop-Potenzial bis deutlich unter 4.000 US-Dollar, sofern die entsprechenden Rahmenbedingungen eintreten.
Der Fokus sollte daher weiterhin auf dem Rohölpreis und der US-Geldpolitik liegen. Verschlechtert sich hier die Situation, kann es zu einem deutlichen Stimmungsumschwung am Terminmarkt und entsprechend starken Preisrückgängen am Edelmetallmarkt kommen.

Das Sentiment ist immer noch sehr bullisch, was antizyklisch eher ein Warnsignal darstellt.

Die BIG4 an der COMEX haben zuletzt ihre Shortposition ausgebaut, was bärisch und ein Warnsignal ist.
Widerstand bei 4.700 US-Dollar hat gehalten
Der Terminmarkt ist weiterhin überkauft und der zum Open Interest adjustierte CoT-Index gibt ein Verkaufssignal, was weiterhin ein klares Warnsignal ist. Normalerweise sehen wir an zyklischen Tiefpunkten am Goldmarkt eine Übertreibung auf der Short-Seite, die zuletzt vollständig fehlte und das immer noch extrem bullische Sentiment widerspiegelt. Damit stand die Rallye im August auf tönernen Füßen und wurde primär spekulativ durch einen Anstieg der Investmentnachfrage getrieben, was für eine Bärenmarktrallye spricht.
Bei rund 4.700 US-Dollar traf der Goldpreis auf einen sehr starken Widerstand, der sich aus dem April-Hoch bildete. Viele jener, die dort auf der falschen Seite erwischt wurden und ihre Positionen gehalten hatten, dürften die Chance genutzt haben, um mit einem blauen Auge ohne großen Verlust zu verkaufen. Die bullischen Faktoren der Rallye haben sich teilweise verkehrt oder als nicht marktbeeinflussend entpuppt, wobei der Krieg im Mittleren Osten anhält und der Rohölpreis weiter ansteigt, während sich die Fed hawkish zeigte. Die bullischen Preistreiber sind damit weggefallen, während bärische Faktoren hinzukamen.
Das Sentiment ist hingegen noch immer extrem bullisch bis euphorisch und jeder Rücksetzer wird von Spekulanten gekauft, was auch die Terminmarktdaten widerspiegeln. Dies sorgt immer wieder für schnelle Gegenbewegungen und eine hohe Volatilität.
Noch hält sich der Goldpreis über seiner 200-Tagelinie und seinem Abwärtstrend, weshalb das Chartbild noch bullisch ist und dieser Rücksetzer aktuell von Spekulanten und Investoren gekauft wird, in der Hoffnung, dass sich von hier aus die Rallye gen 5.000 US-Dollar fortsetzen wird. Fällt der Goldpreis jedoch erneut unter diese wichtigen Unterstützungen, so ist ein erneuter Test der Unterstützung bei 4.000 US-Dollar wahrscheinlich.
Entscheidend bleibt die weitere Entwicklung des Konflikts im Mittleren Osten. Bei einer erneuten Eskalation und einem Anstieg des Rohölpreises über 100 US-Dollar auf 120 US-Dollar dürfte es der Goldpreis kurzfristig sehr schwer haben und wahrscheinlich erneut stärker korrigieren, womöglich erneut auf 4.200 US-Dollar je Feinunze oder gar 4.000 US-Dollar. Da der Goldpreis zuletzt stark von politischen Eingriffen, wie der Yen-Intervention oder den US-Staatsanleihenkäufen, getrieben wurde, sollte man sich auf weiterhin volatile Bewegungen vorbereiten und stets einen engen Stop-Loss platzieren.

Der Widerstand am vorherigen Ausbruchsniveau bei 4.700 US-Dollar hat gehalten und der Goldpreis fiel zurück auf die 200-Tagelinie.
Goldpreis in Euro: Zurück unter der 200-Tagelinie
Der Goldpreis in Euro fiel zuletzt wieder unter die 200-Tage-Linie und notiert aktuell bei rund 3.770 € je Feinunze. Die Bullen sehen darin bislang lediglich die Korrektur einer ersten Impulswelle, auf die eine weitere Aufwärtsbewegung zu höheren Preisen folgen soll. Da das Sentiment weiterhin sehr bullisch ist, werden Rücksetzer aktuell noch immer von Spekulanten gekauft.
Der erneute Rückfall unter die 200-Tage-Linie ist jedoch als bärisches Warnsignal zu werten. Sollten Zinserhöhungen und ein weiterer Anstieg des Rohölpreises den Goldpreis in Euro erneut unter Druck setzen, dürfte der mittelfristige Aufwärtstrend wieder in den Fokus rücken. Wird dieser Trend gebrochen, hätte Gold in Euro weiteres Abwärtspotenzial bis in den Bereich um 3.000 € je Feinunze. Das entspräche einem zusätzlichen Rückgang von rund 600 € je Feinunze.
Im bullischen Szenario hätte der Goldpreis in Euro dagegen nicht mehr viel Luft nach unten. Spätestens im Bereich um 3.600 € je Feinunze müsste der mittelfristige Aufwärtstrend verteidigt werden. Dieses Szenario setzt jedoch voraus, dass die Fed auf eine weitere Zinserhöhung verzichtet, der Rohölpreis möglicherweise unter erneuter politischer Einflussnahme wieder fällt und der Goldmarkt neue Investmentnachfrage erfährt.
Kurzfristig bleibt eine trendlose Seitwärtsbewegung das wahrscheinlichste Szenario. Gleichzeitig nehmen jedoch die Risiken zu, weshalb der mittelfristige Aufwärtstrend beim Goldpreis in Euro genau beobachtet werden sollte. Bricht dieser, wäre dies ein klares Warnsignal. In diesem Fall sollten Long-Positionen geschlossen und eine weitere Korrektur eingeplant werden. Solange der Goldpreis jedoch über 3.600 € handelt, ist das charttechnische Signal noch bullisch für weiter steigende Preise.

Der Goldpreis in Euro fiel wieder unter die 200-Tagelinie.

