Die miserablen Daten vom US-Arbeitsmarkt erhöhen den Druck auf die Fed, bald einen Zinssenkungszyklus zu starten. Erst einmal sind aber alle Augen auf die EZB gerichtet.
In den vergangenen Tagen herrschte das gleiche Bild an den Börsen wie schon zuvor: Während der Goldpreis und der S&P 500 auf neue Rekordhochs gestiegen sind, ist der DAX weiterhin lediglich seitwärts tendiert. Für Rückenwind bei dem Edelmetall und am US-Aktienmarkt sorgen die Talfahrt bei den US-Zinsen für 10-jährige US-Anleihen und der fallende Dollar. Bei sinkenden US-Zinsen werden Aktien attraktiver.
Grund für die Talfahrt bei den US-Zinsen – die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen sind auf nurmehr 4,08 Prozent gesunken und liegen damit in der Nähe der Elf-Monats-Tiefs – und dem fallenden Dollar sind vor allem die anhaltend schwachen Daten vom US-Arbeitsmarkt, wie der am Freitag, 5. September veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht.
Demnach waren im August lediglich 22.000 Jobs geschaffen worden, das lag meilenweit unter den Schätzungen der Volkswirte von 75.000. Zudem sind die Zahlen für die beiden Vormonate Juni und Juli um insgesamt 21.000 nach unten korrigiert worden. Außerdem ist die Arbeitslosenquote im August leicht gestiegen von 4,2 auf 4,3 Prozent. Die Daten deuten damit praktisch auf eine Stagnation am Arbeitsmarkt hin.
Am Dienstag, 9. September folgte dann die Revision der Arbeitsmarktdaten. Demnach sind im Zeitraum April 2024 bis März 2025 insgesamt 911.000 Jobs weniger geschaffen worden, als die ursprünglich gemeldeten knapp 1,8 Millionen. Das ist die größte Korrektur der Daten nach unten in der Historie dieser Datenreihe!
Im Klartext: Statt der ursprünglich gemeldeten neugeschaffenen Jobs von durchschnittlich 147.000 pro Monat waren es tatsächlich nur 71.000! Alle anderen Jobs gab es nie, sie waren eine Erfindung des US-Arbeitsministeriums in der Regierungszeit von Joe Biden.
Kein Wunder, dass US-Präsident Donald Trump bei jeder Gelegenheit fordert, die Fed hätte schon längst eine massive Zinssenkungsrunde starten sollen. Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) bei der nächsten Sitzung am 17. September bei rund 90 Prozent.
Vielleicht kommt es aber auch zu einer Senkung um 50 Basispunkte. Das wird nicht zuletzt von den US-Inflationsdaten abhängen, die am Donnerstag, 11. September veröffentlicht werden (dazu gleich mehr).
Nach der Veröffentlichung der Revision der US-Arbeitsmarktdaten war der Goldpreis kurz auf ein neues Rekordhoch von 3.670 Dollar je Unze gestiegen, ehe er etwas nachgegeben hat und aktuell bei 3.647 Dollar liegt. Allerdings sollte die Rekordfahrt in den nächsten Wochen und Monaten klar weitergehen.
EZB-Sitzung ganz oben auf Agenda …
Am Donnerstag, 11. September werden die EZB-Sitzung und die US-Inflationsdaten stark im Fokus der Investoren stehen. Um 14.15 Uhr gibt die EZB die Ergebnisse ihrer Sitzung bekannt, um 14.45 Uhr beginnt die Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde.
Für viele Investoren ist es ausgemachte Sache, dass die EZB den Einlagenzins für die Banken – darüber steuert die EZB derzeit die Geldpolitik – erneut bei 2,0 Prozent belassen wird. Schließlich lag die Inflationsrate in der Eurozone im August bei 2,1 Prozent und damit ganz in der Nähe des Zwei-Prozent-Ziels der EZB.
Laut deren Einschätzung befindet sich auch die Wirtschaft der Eurozone in einem guten Zustand. Ich bin hingegen völlig anderer Meinung, gerade wenn man die deutsche Wirtschaft anschaut, aber sei’s drum.
Entscheidend für Investoren wird daher sein, welches Signal Lagarde für die darauffolgende Sitzung am 30. Oktober sendet. Schließlich kann die EZB nicht tatenlos zuschauen, wenn die Fed die nächste Zinssenkungsrunde starten sollte, denn dann würde der Euro noch stärker gegenüber dem Dollar steigen als ohnehin schon, was die Inflation in der Eurozone noch mehr dämpfen würde.
Das will die EZB meiner Meinung nach aber unter allen Umständen verhindern, hat die EZB doch Interesse an einer möglichst hohen Inflationsrate, werden doch so die hohen Staatsschulden, gerade in den Südländern, umso mehr entwertet.
Je nachdem, welches Signal die EZB diesmal sendet, hat das Auswirkungen auf US-Zinsen und Dollar und damit auf Aktienmarkt und Gold. Ich werde mir daher die Pressekonferenz von Lagarde und vor allem die Reaktion der Märkte darauf genau anschauen.
… und US-Inflationsdaten
Wie oben geschrieben, werden auch die US-Inflationsdaten am Donnerstag veröffentlicht, nämlich um 14.30 Uhr. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die Inflationsrate im August etwas steigen von 2,7 auf 2,9 Prozent. Hingegen soll die um Energie und Nahrungsmittel bereinigte Kernrate bei 3,1 Prozent stagnieren.
Sollten welche dieser Daten, sei es zur Inflations- oder zur Kernrate, auch nur minimal besser sein als erwartet, sollte das für weiteren Abwärtsdruck auf US-Zinsen und Dollar sorgen. Im Gegenzug hätte der Goldpreis umso mehr Aufwind.
Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass die Rekordfahrt bei Gold in den nächsten Monaten klar weitergehen sollte. Daher macht es weiterhin Sinn, die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.
