Der Goldpreis fiel in der vergangenen Handelswoche unter die wichtige Unterstützung bei 1.800 US-Dollar, was einen starken Abverkauf auf 1.732 US-Dollar nach sich zog. Zinsanhebungen und eine vergleichsweise restriktive Geldpolitik im Vergleich zum Rest der Welt sorgen dafür, dass der US-Dollar auf den höchsten Stand seit 2002 ansteigen konnte, wodurch es unverminderten Verkaufsdruck bei Gold gibt. Am Mittwoch zeigte das Protokoll der letzten Notenbanksitzung, dass sich die Fed-Mitglieder um die „verfestigte“ Inflation sorgen und man eine weitere Zinsanhebung um 50 bis 75 Basispunkte im Juli für angebracht halten.  

Solange dieses Umfeld anhält, dürfte es der Goldpreis schwierig haben wieder zu neuen Höhen aufzubrechen. Doch sind die künftigen Zinsanhebungen bereits eingepreist und das Korrekturtief des Goldpreises dürfte nun in greifbare Nähe rücken. Sollte die US-Notenbank in den nächsten Monaten andeuten, dass sie von ihrem angekündigten geldpolitischen Pfad abweichen wird, um die Konjunktur zu stützen, dann dürfte der Goldpreis aus dem Stand schnell wieder um einige Hundert Dollar nach oben springen.

Der Euro fiel unterdessen auf den niedrigsten Stand zum Euro seit 2002 und am Freitag fast auf die Parität zum US-Dollar. Zum Schweizer Franken hatte der Euro in der letzten Woche bereits die Parität nach unten durschlagen und fiel auf 0,988 Franken je Euro. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Stärke des Dollars und die Talfahrt des Euros so lange fortsetzen wird, wie die Fed an ihrem aktuellen Plan festhält. Sobald die Fed von ihrem Weg abweicht, was bei einem Wechselkurs von 0,9 US-Dollar je Euro sein könnte, wird es eine große Trendwende geben, weshalb man Währungsabsicherungen bei 0,9 US-Dollar je Euro auflösen sollte. Bei einem weiteren Einbruch des Euros wird sich der Goldpreis in Euro stark halten und nur noch wenig fallen oder sogar wieder leicht steigen, während sich der Goldpreis in US-Dollar noch einige Monate schwach zeigen könnte. Investoren im Euroraum sollten daher immer auf den Goldpreis in Euro achten, der wahrscheinlich nicht mehr weit fallen wird.

Der Silberpreis, der bereits in den Vorwochen stark gefallen war, setzte seine Talfahrt in der letzten Woche fort und fiel auf 18,90 US-Dollar. Meine Korrekturziele bei 1.680 US-Dollar für Gold und 18 US-Dollar für Silber wurden damit bereits fast erreicht, wobei das Tief und eine zumindest kurzfristige Trendwende nun nah sein dürften. Ein Überschießen in einer Verkaufspanik bis in den Bereich von 16 US-Dollar sollte für aggressive Käufe genutzt werden. Das Sentiment für Silber und Platin ist bereits sehr bärisch, wie die neuesten Daten der US-Terminmarktaufsicht vom Freitag zeigen, wogegen die Goldbullen an ihren Long-Positionen festhalten.

Dashboard 11.07.22

Der Goldpreis brach vergangene Woche um 4 % ein

Die am Freitagnachmittag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten fielen besser aus als es allgemein am Markt erwartet wurde. Mit 372 Tsd. neu geschaffener Stellen außerhalb der Landwirtschaft wurde der Marktkonsens von 250 Tsd. deutlich übertroffen. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 3,6 %. Diese guten Arbeitsmarktdaten geben der US-Notenbank weiterhin grünes Licht für ihren restriktiven Pfad, den sie eingeschlagen hat. Es ist möglich, dass die Notenbank erst dann von ihrem Weg abweichen wird, wenn die Arbeitslosigkeit in den USA aufgrund der Rezession, die real längst da ist, ansteigen wird. Arbeitslosenzahlen sind jedoch ein nachlaufender Indikator und so bleibt die Befürchtung, dass wir erst noch eine mehrmonatige Bodenbildungsphase am Goldmarkt mit Streckfolter durchleben müssen.

Auch das Lohnniveau hielt sich mit einem Wachstum der Stundenlöhne von 5,1 % zum Vorjahr stärker als es erwartet wurde, was ebenfalls ein Faktor ist, der die Fed an ihrer restriktiven Geldpolitik festhalten lässt. Egal wie die kurzfristigen Aussichten auch sein mögen, die längst eingepreist sind, die US-Geldmenge bzw. die US-Notenbankbilanz ist bisher nur leicht auf 8,9 Billionen US-Dollar gesunken. Seit März 2020 wurde sie mehr als verdoppelt, was letztlich der entscheidende Faktor ist, weshalb der Goldpreis auch künftig weiter ansteigen wird. Der US-Notenbank gelang es in der Vergangenheit nie, nachhaltig die vorhergegangenen geldpolitischen Eingriffe wieder zurückzuführen. Dies wird ihr in diesem Umfeld einer großen Zinswende schon zweimal nicht möglich sein, weshalb es nur eine Frage der Zeit ist, bevor man mit dem weiteren Schaffen von Geld aus dem Nichts wieder für eine neue Goldhausse sorgen wird.

Dashboard II 11.07.22

Gute Arbeitsmarktdaten zwingen die Fed zur Fortsetzung ihrer restriktiven Geldpolitik

Der HUI-Goldminenindex fiel mittlerweile auf 216 Punkte, womit der langfristige Aufwärtstrend bei 180 Punkten bereits sehr nahegekommen ist. Ich erwarte, dass diese Korrektur spätestens an diesem Aufwärtstrend ein Ende finden wird. Historisch im Vergleich zum Goldpreis, zur Inflationsrate und zur Geldmengenausweitung sind die Minen auf dem aktuellen Niveau historisch günstig und bieten eine gute antizyklische Kaufchance. Es ist erstaunlich, dass der HUI-Goldminenindex gerade bei einem Drittel des Hochs von 2011 notiert, während der Goldpreis aktuell wieder auf dem gleichen Niveau handelt. Hier gibt es viel Aufholpotenzial und wie in den siebziger Jahren, erwarte ich eine Rallye mit einer Vervielfachung der Notierungen, sobald die Notenbanken wieder mit dem Drucken von Geld auf die nächste Rezession, die real längst da ist, reagieren werden.

Dashboard III 11.07.22

Der HUI-Goldminenindex könnte den langfristigen Aufwärtstrend noch einmal testen

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Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.