Der weltweit kräftige Zinsanstieg belastet zusehends die Börsen. Umso gespannter warten Investoren auf die Fed-Sitzung am Mittwochabend sowie auf die Sitzungen zweier weiterer Notenbanken in den darauffolgenden zwei Tagen.

Einige Top-Themen beherrschen weiterhin die Börsen: Erstens der Höhenflug des Ölpreises, weil weiterhin keine Lösung des Iran-Kriegs in Sicht ist, während die Ukraine weiterhin die russische Energieinfrastruktur angreift. Gleichzeitig füllt China seine strategische Ölreserve auf. Dass in diesem Umfeld die Öl- und Spritpreise nach oben schießen und Letztere immer neue Rekordhochs erreichen, sollte niemanden überraschen.

Das wiederum heizt die Inflation immer weiter an. Schließlich wird der Transport von Gütern deutlich teurer, während gleichzeitig die Lebensmittelpreise kräftig steigen, was wiederum die Zinsen immer weiter nach oben treibt. Das ist das zweite sehr wichtige Thema im Moment an den Börsen.

In diesem Umfeld sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen am Montag, 15. September, mit 5,04 Prozent auf ein 20-Jahres-Hoch geklettert, ehe sie zuletzt leicht nachgegeben haben. Die kräftig gestiegenen US-Zinsen haben den Dollar mit nach oben gezogen, womit der Goldpreis gleich von zwei Seiten Gegenwind hatte.

Daher hatte die Notierung des Edelmetalls zwischenzeitlich etwas nachgegeben, ehe sie sich auf aktuell 4.335 Dollar je Unze erholt hat.

Nur am Rande erwähnt sei das dritte wichtige Thema: Die KI-Riesen OpenAI und Anthropic haben angekündigt, das Entwicklungstempo ihrer KI-Modelle drosseln zu wollen, woraufhin viele Chipaktien eingebrochen sind.

Warten auf die Fed-Sitzung

Umso gespannter warten Investoren auf die Fed-Sitzung am Mittwochabend, zumal die kräftig gestiegenen Zinsen allmählich die US-Aktienmärkte belasten. So hat der S&P 500 zuletzt etwas nachgegeben. Die Ursache hierfür ist einfach: Bei steigenden Zinsen werden Anleihen attraktiver, während gleichzeitig die künftigen Gewinne der Unternehmen stärker abdiskontiert werden. Gleichzeitig ist der DAX mit seinen zahlreichen Zyklikern, also Unternehmen aus stark konjunkturabhängigen Branchen, bis auf 25.400 Punkte eingebrochen.

Nach dem überraschend starken US-Arbeitsmarktbericht für August und den schlechten US-Inflationsdaten für den Monat ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) bei der heutigen Fed-Sitzung auf dann 3,75 bis 4,0 Prozent auf 92,5 Prozent gestiegen. Im Klartext: Praktisch alle Investoren gehen davon aus, dass die Fed diesmal den Leitzins um 25 Basispunkte anheben dürfte.

Das Problem bei der Sache: Sollte die Fed heute Abend den Leitzins anheben, werden Investoren schnell darüber spekulieren, wie viele weitere Erhöhungen in den nächsten Quartalen folgen könnten. Schließlich hat die Fed in den vergangenen Jahrzehnten nur ein einziges Mal den Leitzins angehoben und dann eine lange Pause eingelegt. Das war im März 1997, als der damalige Fed-Chef Alan Greenspan den Zins von 5,25 auf 5,50 Prozent angehoben hatte.

Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung um 25 Basispunkte bei der übernächsten Sitzung am 9. Dezember (die nächste ist am 28. Oktober) bei 70 Prozent.

Umso wichtiger wird sein, was Fed-Chef Kevin Warsh auf der anschließenden Pressekonferenz nach der heutigen Sitzung sagen wird. Er muss den Eindruck vermitteln, dass die Fed die Inflation künftig bekämpfen will, um zu verhindern, dass die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen noch weiter nach oben schießen als ohnehin schon. Denn je weiter die Zinsen steigen würden, desto stärker würden sie die Konjunktur und die Aktienmärkte belasten, während auch der Goldpreis zunehmenden Gegenwind bekäme.

Wie ich zuletzt geschrieben habe, würden weiter steigende Zinsen allerdings die Sorge um die Tragfähigkeit der massiven Staatsschulden schüren. Schließlich liegen die Zinszahlungen der USA bei einem Rekordschuldenberg von 40 Billionen Dollar bei rund 1,4 Billionen Dollar pro Jahr – der reine Irrsinn! In diesem Umfeld könnten sich viele Investoren allmählich fragen: Wie viele Schulden können die USA noch machen und wie wollen sie überhaupt weiterhin ihre Zinsen bezahlen?

In diesem Szenario sollte meiner Meinung nach der Goldpreis allmählich als sicherer Hafen gefragt sein und damit trotz steigender Zinsen in den USA und in vielen anderen Ländern der Welt wie Japan, Deutschland oder Frankreich nicht etwa nachgeben, sondern vielmehr steigen. Ich bin daher sehr gespannt, wie es beim Goldpreis in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen wird.

Gold bleibt aussichtsreich

Als Nächstes werde ich die Pressekonferenz nach der Fed-Sitzung und vor allem die Reaktionen bei Zinsen, Dollar, Aktienmärkten und Gold ganz genau beobachten. Nach der Fed-Sitzung richten sich die Augen der Investoren auf die Sitzung der englischen Notenbank am darauffolgenden Donnerstag sowie auf die Sitzung der japanischen Notenbank am Freitag, 18. September. Je nachdem, was diese Notenbanken sagen, könnte das die Zinsen in den jeweiligen Ländern und damit auch im Rest der Welt weiter nach oben treiben.

In einem Umfeld möglicherweise weiter deutlich steigender Zinsen und eines steigenden Dollars könnte der Goldpreis kurzfristig noch etwas nachgeben. Meiner Meinung nach könnte das aber eine gute Gelegenheit sein, um zu den reduzierten Preisen die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.

Schließlich dürfte die Schuldensause in den USA, Japan, Deutschland und vielen Ländern der Eurozone weitergehen, was die Inflation weiter anheizen könnte. Umso wichtiger wird es, sich gegen den anhaltenden Verfall der Fiat-Währungen zu schützen und dazu physisches Gold zu besitzen.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.