Zuletzt haben die Aktienmärkte und der Goldpreis deutlich nachgegeben. Umso mehr rücken die US-Inflationsdaten und die EZB-Sitzung in den Fokus der Investoren.
An der Börse gibt es derzeit nur ein Thema: Der Börsengang von SpaceX, dem Raumfahrt-, Telekommunikations- und KI-Unternehmen von Elon Musk, am 12. Juni an die US-Technologiebörse Nasdaq. Dabei will der Konzern 85 Mrd. US-Dollar einsammeln, das ist der mit weitem Abstand größte Börsengang aller Zeiten.
Im Vorfeld gab es zuletzt deutlichen Verkaufsdruck an den Aktienmärkten und bei Gold. Für Gegenwind hatte zuerst der US-Arbeitsmarktbericht gesorgt, der am Freitag, 5. Juni, veröffentlicht worden war.
Demnach waren im Mai 172.000 Jobs neu geschaffen worden, das waren rund doppelt so viele wie von Volkswirten vorhergesagt (85.000). Gleichzeitig waren die Zahlen für April um 64.000 auf 179.000 nach oben korrigiert worden. Die überraschend guten Zahlen für April und Mai haben Inflationssorgen geschürt, schließlich deutet das darauf hin, dass die US-Wirtschaft besser laufen könnte als erwartet.
Nach der Veröffentlichung des Berichts waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen nach oben geschossen und hatten damit den Dollar mit nach oben gezogen. Damit hatten die Aktienmärkte und der Goldpreis gleich von zwei Seiten aus Gegenwind, woraufhin sie jeweils eingeknickt sind.
Aber ist der Bericht für Mai tatsächlich so stark, wie er auf den ersten Blick aussieht? Von den 172.000 Jobs sind 70.000 auf den Bereich Freizeit und Gastronomie entfallen. Meiner Meinung nach dürften das vor allem Jobs sein, die in Hotels und Restaurants etc. aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft entstanden sind. Wenn sie am 19. Juli endet, dürften viele dieser Jobs schnell wieder verschwinden, oder?
Zudem sind 52.000 Jobs bei Städten und Gemeinden entstanden, was meiner Meinung nach ebenfalls mit der WM zu tun haben dürfte, weil die Behörden Polizisten oder Müllmänner usw. eingestellt haben könnten. Auch viele dieser Jobs dürften daher nach der WM schnell wieder verschwinden.
Daten vom US-Häusermarkt sorgen nur für kurzen Zinsanstieg
Nachdem sich die Aktienmärkte am Montag, 8. Juni, kurz erholt hatten, folgte tags drauf am Dienstag der nächste Kursrutsch nach unten. Auf den ersten Blick könnte es an den Zahlen zu den US-Verkäufen bestehender Häuser gelegen haben, die um 16 Uhr veröffentlicht worden sind und die deutlich besser ausgefallen sind als erwartet.
Demnach waren die Verkäufe im Mai auf eine Jahresrate von 4,17 Mio. gestiegen und lagen damit deutlich über den Erwartungen von 4,08 Mio. Außerdem sind die Zahlen für Mai von einer Jahresrate von 4,02 Mio. auf 4,04 Mio. nach oben korrigiert worden.
Die überraschend guten Daten haben allerdings nur für einen kurzen Anstieg der Zinsen für 10-jährige US-Anleihen gesorgt, anschließend sind die Zinsen aber schnell wieder nach unten und lagen unter dem Niveau von vor der Bekanntgabe der Daten.
Demnach können die US-Zinsen also nicht der Grund für den Kursrutsch nach unten an den Aktienmärkten und beim Goldpreis gewesen sein. Meiner Meinung nach kann es daher eigentlich nur eine Erklärung für diese Entwicklung geben: Viele Investoren wollen SpaceX-Aktien kaufen und verkaufen daher vorab US-Technologieaktien, um sich Liquidität zu beschaffen.
Neben den US-Technologieaktien haben Investoren aber auch Gold verkauft, um sich weitere Liquidität zu beschaffen, was das Edelmetall zusätzlich belastet hat.
Der bislang letzte Tiefschlag kam am Mittwochfrüh, nachdem das US-Militär Angriffe auf den Iran gestartet hat, nachdem der Iran zuvor einen Apache-Hubschrauber der US-Armee über der Straße von Hormus abgeschossen hatte.
Nach dem Angriff der USA war der Ölpreis kurz gestiegen, ehe er wieder nach unten gedreht ist. Dennoch sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen etwas geklettert. Im Gegenzug ist der Goldpreis einmal mehr eingebrochen und notiert mit 4.175 US-Dollar je Unze am Sechs-Monats-Tief.
Das ist ein Rückgang um herbe 24 % gegenüber dem Rekordhoch von Ende Januar. Ich halte die Talfahrt zwar für völlig übertrieben, kann allerdings nicht ausschließen, dass sie sich kurzfristig noch etwas fortsetzen könnte.
Warten auf US-Inflationsdaten …
In dem Umfeld warten Investoren umso gespannter auf die US-Inflationsdaten, die am Mittwoch, 10. Juni, um 14.30 Uhr veröffentlicht werden. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll die Inflationsrate im Mai von 3,8 auf 4,2 % gestiegen sein, das wäre das höchste Niveau seit April 2023 (5,0 %).
Hingegen soll die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, lediglich leicht klettern von 2,8 auf 2,9 %. Das wäre dennoch das höchste Niveau seit September 2025 (3,0 %).
Je nachdem, wie die US-Inflationsdaten ausfallen werden, dürfte das für Ausschläge bei US-Zinsen und Dollar und damit an den Aktienmärkten und beim DAX sorgen. Es würde mich nicht überraschen, wenn die Daten minimal besser sein sollten als erwartet, was zumindest kurzfristig für Abwärtsdruck bei den Zinsen für 10-jährige US-Anleihen sorgen könnte, womit sich der Goldpreis zumindest kurzfristig stabilisieren könnte.
… und EZB-Sitzung
Tags drauf, am Donnerstag, 11. Juni, steht die EZB-Sitzung ganz oben auf der Agenda. Die Ergebnisse werden um 14.15 Uhr veröffentlicht, die Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde beginnt wie üblich um 14.45 Uhr.
Nachdem die Inflationsrate im Mai in der Eurozone aufgrund des Iran-Kriegs von 3,0 auf 3,2 % gestiegen ist, das war das höchste Niveau seit September 2023, ist es für viele Experten ausgemachte Sache, dass die EZB diesmal den Einlagenzins für die Banken um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf 2,25 % anheben dürfte.
Auf der Pressekonferenz dürfte Lagarde die mögliche Anhebung wie bei früheren Anhebungen als „Absicherung“ gegen den Inflationsanstieg bezeichnen und – wie in einem derartigen Umfeld üblich – die „Wachsamkeit“ der EZB betonen.
Das würde signalisieren, dass die EZB bereit sei, bei der darauffolgenden Sitzung am 23. Juli den Zins erneut anzuheben, falls der Iran-Krieg weiter anhalte und dadurch die Inflation weiter angeheizt werden würde. Zudem dürfte Lagarde betonen, dass eine mögliche weitere Zinsanhebung „datenabhängig“ sein wird.
Ich bin gespannt, wie die Pressekonferenz laufen wird und was Lagarde signalisieren wird, denn davon wird es abhängen, wie sich die Zinsen für Bundesanleihen und die Anleihen weiterer Länder der Eurozone und damit auch der Euro entwickeln werden.
Sollte Lagarde irgendetwas sagen, das die hiesigen Zinsen nach oben schießen lassen sollte, dürfte das auch für Aufwärtsdruck bei den US-Zinsen sorgen, was zusätzlichen Gegenwind für die Aktienmärkte und den Goldpreis bedeuten würde. Umso genauer werde ich verfolgen, was Lagarde sagen und damit signalisieren wird.
Die mittel- und langfristigen Aussichten bleiben glänzend
Wie schon in den vergangenen Wochen kann ich weiterhin nicht ausschließen, dass der Goldpreis kurzfristig noch etwas nachgeben wird. Neben dem Börsengang von SpaceX hängt das vor allem von der Entwicklung der US-Zinsen und des Dollars ab.
Unabhängig von der kurzfristigen Entwicklung beim Goldpreis bleiben meiner Meinung nach die mittel- und langfristigen Aussichten für das Edelmetall aber glänzend. Schließlich dürfte die Schuldensause in den USA und der Eurozone weitergehen, weshalb sinkende Zinsen – trotz der deutlich erhöhten Inflation – zwingend notwendig sind. Vor dem Hintergrund gilt es, noch etwas auf den Boden bei Gold zu warten, um dann die Bestände an physischem Gold erneut aufzustocken.
