Entgegen anderslautender Behauptungen ist ein Ende des Iran-Kriegs absolut nicht in Sicht. Umso gespannter warten Investoren auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.
Inzwischen dürfte immer mehr Menschen dämmern, dass sich eine Lösung des Iran-Kriegs nicht abzeichnet, vielmehr ist er zuletzt weiter eskaliert. So hatte der Iran zuletzt zwei US-Militärbasen in Kuwait angegriffen, während es auch Explosionen und Sirenenalarm in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain gegeben hat. Der Iran behauptete, das sei die Vergeltung für die Angriffe der USA auf die Qeschm-Insel.
Auf die Nachrichten hin sind die Ölpreise deutlich gestiegen, was Inflationssorgen geschürt hat. Daraufhin sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen um ein paar Basispunkte bis auf 4,48 Prozent geklettert, was wiederum den Dollar etwas mit nach oben gezogen hat.
In dem Umfeld ist der Goldpreis bis auf 4.465 US-Dollar je Unze gesunken und notiert damit in der Nähe des Fünf-Monats-Tiefs. Das Edelmetall wird also nicht als sicherer Hafen in Krisenzeiten gesucht, sondern leidet vielmehr zusehends unter den gestiegenen US-Zinsen und dem gestiegenen Dollar.
Wird die EZB auf den Inflationsanstieg in der Eurozone reagieren?
Umso nervöser schauen Investoren in dem Umfeld auf die Inflationsdaten aus Deutschland und der Eurozone, zumal die EZB-Sitzung am 11. Juni schnell näher rückt. Zwar ist die Inflationsrate in Deutschland im Mai von 2,9 Prozent auf 2,6 Prozent gesunken, das lag vor allem an Sondereffekten wie dem Tankrabatt.
Hingegen ist die Inflationsrate in der Eurozone im Mai von 3,0 Prozent auf 3,2 Prozent gestiegen, lag damit allerdings leicht unter den Schätzungen der Volkswirte von 3,3 Prozent. Hingegen ist die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, von 2,2 Prozent auf 2,5 Prozent gestiegen und hat damit die Erwartungen von 2,4 Prozent leicht übertroffen.
Vor dem Hintergrund ist es für viele Experten ausgemachte Sache, dass die EZB bei der nächsten Sitzung am 11. Juni den Einlagenzins für die Banken – darüber steuert die EZB schon seit Längerem die Geldpolitik – um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) auf 2,25 Prozent anheben wird.
Von großer Bedeutung wird zudem sein, was EZB-Chefin Christine Lagarde auf der anschließenden Pressekonferenz für die darauffolgende Sitzung am 23. Juli signalisieren wird. Folgt möglicherweise eine weitere Zinserhöhung?
Jedermann dürfte klar sein, dass eine einzige Zinserhöhung um 25 Basispunkte kaum etwas ändern wird, allerdings kann die Konjunktur der Eurozone keinerlei Gegenwind gebrauchen, nachdem die Wirtschaft im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal lediglich um 0,1 Prozent gewachsen war. Meiner Meinung nach ist die Wirtschaft am Rande der Stagnation.
Warten auf US-Arbeitsmarktbericht
Als Nächstes rückt der US-Arbeitsmarktbericht von ADP in den Fokus der Investoren. Er wird am Mittwoch, 3. Juni, um 14.15 Uhr (deutscher Zeit) veröffentlicht. Volkswirte gehen davon aus, dass die US-Privatwirtschaft im Mai 120.000 Jobs geschaffen haben könnte, nach 109.000 im April. Das würde auf einen soliden Arbeitsmarkt hindeuten.
Am gleichen Tag um 16 Uhr gibt das Institute for Supply Management (ISM) den Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor bekannt. Er soll im Mai leicht gestiegen sein, von 53,6 auf 53,7 Punkte, und würde damit eine robuste Entwicklung in dem für die US-Wirtschaft so wichtigen Sektor signalisieren.
Zwei Tage später, am 5. Juni, wird um 14.30 Uhr der offizielle US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht. Demnach sollen im Mai 85.000 Jobs geschaffen worden sein, nach 115.000 im April. Zudem soll die Arbeitslosenquote bei niedrigen 4,3 Prozent geblieben sein.
Je nachdem, wie die US-Konjunkturdaten in den nächsten Tagen ausfallen, wird das Auswirkungen auf die US-Zinsen und den Dollar und damit auf die Aktienmärkte und Gold haben.
Goldpreis bleibt kurzfristig im Bann des Iran-Kriegs
Sollte der Iran-Krieg weiter eskalieren, könnte der Ölpreis kurzfristig noch etwas weiter steigen, ehe US-Präsident Donald Trump den Ölpreis einmal mehr nach unten reden dürfte. Dennoch könnten in dem Umfeld die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen kurzfristig etwas weiter steigen und damit den Dollar leicht nach oben ziehen. In dem Szenario könnte sich der Kursrückgang beim Goldpreis noch etwas ausweiten, möglicherweise in Richtung 4.200 US-Dollar je Unze oder sogar darunter.
All das ändert meiner Meinung nach an den mittel- und langfristig hervorragenden Aussichten für das Edelmetall absolut nichts. Schließlich muss der neue Fed-Chef Kevin Warsh – trotz der deutlich gestiegenen US-Inflation – in den nächsten Monaten alles in seiner Macht Stehende tun, um die Zinsen nach unten zu bringen. Schließlich kann nur in einem derartigen Umfeld die Schuldensause in den USA weitergehen.
Je mehr aber der Dollar in den nächsten Jahren entwertet werden sollte, umso mehr sollte der Goldpreis im Gegenzug steigen.
