Die Rekordfahrt bei den Edelmetallen ist nahtlos weitergegangen. Umso gespannter warten Investoren auf die Rede von US-Präsident Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos.
Ein Thema hat in den vergangenen Tagen für Turbulenzen an den Börsen gesorgt: die Eskalation der Grönland-Krise. US-Präsident Donald Trump hat am vergangenen Samstagnachmittag (deutscher Zeit), 17. Januar, zusätzliche Strafzölle von 10 Prozent per 1. Februar gegen Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und die Niederlande verhängt, weil sie Trumps Wunsch, Grönland zu kaufen, strikt ablehnen. Sollte es in den darauffolgenden Monaten zu keiner Einigung kommen, sollen die Strafzölle zum 1. Juni auf 25 Prozent steigen.
Das waren verheerende Nachrichten gerade für die deutschen Autobauer, kämen doch auf die bisherigen Strafzölle von 15 Prozent bei der Einfuhr von Fahrzeugen in die USA 10 Prozentpunkte obendrauf, was das Geschäft der hiesigen Autoproduzenten in den USA noch mehr belasten würde als ohnehin schon. Vor diesem Hintergrund sind die Aktien der Autobauer eingebrochen.
Hingegen ist in diesem Umfeld der Goldpreis auf neue Rekordhochs gestiegen, schließlich war das Edelmetall plötzlich wieder als sicherer Hafen gefragt. Mit Kursen von 4.856 US-Dollar je Unze steht ein Anstieg von 12,4 Prozent gegenüber Jahresanfang zu Buche – sensationell!
Gleichzeitig ist der Silberpreis auf neue Rekordhochs nach oben geschossen, ehe er leicht nachgegeben hat. Dennoch steht gegenüber Jahresanfang ein Kurssprung um 32,3 Prozent zu Buche – Wahnsinn!
Als Reaktion auf Trumps Drohung mit Strafzöllen hat die EU ihrerseits damit gedroht, Strafzölle auf US-Produkte im Wert von 93 Mrd. Euro (108 Mrd. US-Dollar) zu verhängen. US-Finanzminister Scott Bessent hat die Europäer allerdings gewarnt, die Lage eskalieren zu lassen.
Lage in Japan treibt Zinsen weltweit nach oben
Die Rekordfahrt bei Gold ist umso bemerkenswerter, weil die Zinsen für japanische Anleihen massiv gestiegen sind, was auch die Zinsen für US- und Bundesanleihen deutlich nach oben getrieben hat.
Der Grund: Die japanische Regierungschefin Sanae Takaichi hat für den 8. Februar vorgezogene Neuwahlen angekündigt. Dort will sie sich die Zustimmung der Wähler einholen, demnach die Regierung mit noch mehr Schulden als ohnehin schon die Konjunktur ankurbeln darf.
Allerdings rebellieren die Besitzer japanischer Anleihen immer mehr, schließlich liegt die Staatsverschuldung Japans bei horrenden 232 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das Letzte, das Japan vor diesem Hintergrund gebrauchen kann, ist ein massiver Zinsanstieg.
In diesem Umfeld gibt es eigentlich nur zwei Lösungen für das Problem: Entweder Takaichi lenkt ein und tritt etwas auf die Ausgabenbremse, anstatt noch mehr Schulden zu machen, woraufhin sich die Lage am Anleihenmarkt zumindest kurzfristig beruhigen könnte.
Oder die japanische Notenbank kauft bald wieder massiv Staatsanleihen, um die Zinsen für Staatsanleihen nach unten zu drücken und so die Lage unter Kontrolle zu bringen. Offensichtlich kommt für Politiker nur letztere „Lösung“ in Betracht, wovon jedenfalls Investoren ausgehen, weshalb der Yen auf Talfahrt gegenüber dem US-Dollar ist.
Allerdings ist in diesem Umfeld der US-Dollar nicht als sicherer Hafen gefragt, vielmehr haben Investoren beim Euro zugegriffen, woraufhin die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar gestiegen ist. Der sinkende US-Dollar hat damit die Rekordfahrt beim Goldpreis weiter angeheizt.
Warten auf Trump-Rede in Davos
Umso gespannter warten Investoren auf die Rede von Trump am Mittwoch, 21. Januar, beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Die Rede soll um 14.30 Uhr (deutscher Zeit) beginnen.
Ich bin gespannt, was Trump sagen wird, allerdings sollte es niemanden überraschen, wenn seine Aussagen einmal mehr für Kopfzerbrechen bei Investoren und damit für Turbulenzen an den Märkten sorgen sollten. Je nachdem, was Trump sagt, wird das Auswirkungen auf US-Zinsen und den US-Dollar und damit auf die Gold- und Silberpreise haben.
Tags drauf, am Donnerstag, 22. Januar, werden dann wichtige US-Inflationsdaten veröffentlicht. Auch sie könnten für Ausschläge bei US-Zinsen und dem US-Dollar und damit bei Gold und Silber sorgen.
Natürlich kann niemand vorhersagen, wie es kurzfristig bei den Edelmetallen weitergehen könnte. Allerdings bin ich weiterhin zuversichtlich, dass die Rekordfahrt bei Gold und Silber in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren klar weitergehen sollte. Daher macht es weiterhin Sinn, die Bestände an physischem Gold und Silber weiter aufzustocken.
