US-Präsident Trump erhöht den Druck auf Fed-Chef Powell weiter. In den nächsten Tagen bleiben die US-Konjunkturdaten weiter ganz oben auf der Agenda der Investoren.
In den vergangenen Tagen war wieder eine Menge los, da fällt es einem fast schon schwer, auf dem Laufenden zu bleiben. Neben den Protesten im Iran haben vor allem die Nachrichten um die Fed Investoren in Atem gehalten.
So hat das US-Justizministerium Fed-Chef Jay Powell mit einer Anklage gedroht, da bei der Renovierung von Fed-Gebäuden der Kostenrahmen überschritten worden sei. Powell, der üblicherweise auf solche politischen Angriffe nicht öffentlich reagiert, hat aber plötzlich mit einer Videobotschaft reagiert, in der er erklärt, dass es eigentlich nicht um die Überschreitung des Kostenrahmens gehe, sondern dass die Fed nicht auf den Druck des Präsidenten reagiert und die Zinsen stärker gesenkt habe als ohnehin schon.
Im Endeffekt geht es also einmal mehr um die Unabhängigkeit. Ich habe Powell in den vergangenen Jahren zwar zahllose Male für das massive Gelddrucken der Fed scharf kritisiert, was die größte Inflationswelle seit den 1970er-Jahren ausgelöst hatte.
Allerdings ist Powells Einwand diesmal völlig berechtigt, entsprechend haben die Investoren jedenfalls reagiert. Sie haben kräftig bei Gold und Silber zugegriffen, woraufhin die Preise für die Edelmetalle auf neue Rekordhochs nach oben geschossen sind.
Denn eines ist klar: Je stärker die Fed den Leitzins in den nächsten Monaten senken würde, umso mehr würde das die Konjunktur und damit die Inflation anheizen.
Die Rekordfahrt der Gold- und Silberpreise haben selbst die neuen Maßnahmen der CME bislang nicht aufhalten können. Die CME hat angekündigt, dass ab Dienstagabend, 14. Januar, die Margen bei den Edelmetallen nicht mehr auf bestimmte US-Dollar-Beträge lauten würden, sondern in Prozentsätzen. Je höher also die Preise für Gold und Silber steigen würden, umso mehr Geld müssen die Spekulanten künftig als Sicherheit hinterlegen.
Ich bezweifle allerdings, dass diese Maßnahmen ausreichen, um die Rekordfahrt bei Gold und Silber kurzfristig zu beenden. Meiner Meinung nach müsste die CME dazu die Prozentsätze deutlich stärker erhöhen. Ich gehe davon aus, dass die CME das in den nächsten Tagen tatsächlich tun wird. Dann werden wir sehen, wie die Notierungen der Edelmetalle darauf reagieren werden.
Gute US-Inflationsdaten sind Fake News
Selbstverständlich will ich Ihnen die wichtigsten Konjunkturdaten aus den USA nicht vorenthalten, schließlich hängt es von ihnen ab, ob die Fed in den nächsten Monaten die Zinsen weiter senken könnte.
So war der US-Arbeitsmarktbericht deutlich schwächer als erwartet. Dabei waren im Dezember 50.000 Jobs geschaffen worden, wohingegen Volkswirte 70.000 vorhergesagt hatten. Zudem sind die Zahlen für Oktober und November um insgesamt 76.000 nach unten korrigiert worden.
Das Problem bei den Zahlen: Laut Fed-Chef Powell könnten die Zahlen die tatsächliche Lage um rund 60.000 im jeweiligen Monat überzeichnen. Demnach würden 50.000 neu geschaffene Jobs bedeuten, dass tatsächlich 10.000 Jobs abgebaut worden sein könnten. Laut dieser Einschätzung ist der Arbeitsmarkt also weiterhin sehr schwach.
Zudem hat die Inflationsrate im Dezember bei 2,7 Prozent stagniert. Außerdem war die Kernrate, also die um Nahrungsmittel und Energie bereinigte Inflationsrate, stabil bei 2,6 Prozent. Das war das niedrigste Niveau seit März 2021.
Das Problem an diesen Zahlen: Im Dezember waren 40 Prozent der Inflationsdaten geschätzt. Sie lesen richtig: „40 Prozent“! Welcher Wahnsinn! Vor Trumps Amtsantritt im Januar 2025 waren es zwischen 8 bis 10 Prozent.
Jedem sollte klar sein, dass viele der derzeitigen Daten künstlich nach unten gerechnet werden, um eine niedrige Inflationsrate auszuweisen. Die tatsächliche Inflation dürfte deutlich höher sein als die offiziell ausgewiesene.
Kein Grund zur Entwarnung in der Eurozone
Hingegen sieht es so aus, als ob bei der Inflation in der Eurozone alles „in Ordnung“ sei, zumal die Rate im Dezember leicht zurückgegangen ist – von 2,1 auf 2,0 Prozent, womit das Inflationsziel der EZB quasi genau erreicht wird.
Allerdings sind die Verbraucherpreise im Dezember um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen. Damit ist das Leben in der Eurozone teurer als jemals zuvor, nur der Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist nicht mehr so groß wie zuvor. Dass die Zahlen offensichtlich kein Grund zum Jubeln sind, sollte jedermann klar sein.
Ich möchte Sie noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, welch verheerende Folgen eine Inflation von „nur“ 2 Prozent über einen längeren Zeitraum hat. Das bedeutet, dass sich innerhalb von 35 Jahren die Preise verdoppeln!
Die Nachrichten aus Deutschland sind ebenfalls alles andere als schön. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Dezember um 23.000 gegenüber dem Vormonat auf 2,908 Mio. gestiegen – das war das höchste Niveau seit 2010.
Offensichtlich ist in Deutschland in den vergangenen 10 Jahren eine derart „erfolgreiche“ Politik gemacht worden, dass die Arbeitslosenquote auf einem Fünfzehn-Jahres-Hoch liegt – unglaublich! Ich fürchte, trotz der geplanten Schuldensause der Bundesregierung wird das noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein.
Am Mittwoch, 14. Januar, und in den Folgetagen stehen die US-Konjunkturdaten weiter ganz oben auf der Agenda der Investoren. Am Mittwoch werden die Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen und den Verkäufen bestehender Häuser veröffentlicht.
Am Donnerstag folgt der Einkaufsmanagerindex der Fed von Philadelphia, der üblicherweise der wichtigste Frühindikator für die US-Wirtschaft insgesamt ist, und am Freitag werden die Daten zur Industrieproduktion bekannt gegeben.
Je nachdem, wie die Daten jeweils ausfallen, hat das Auswirkungen auf die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen und den Dollar und damit auf S&P 500, Nasdaq und DAX sowie Gold und Silber.
Niemand kann seriös vorhersagen, wie es kurzfristig bei den Preisen für Gold und Silber weitergehen könnte, zumal die CME jederzeit die Margin weiter erhöhen könnte. Wenn Investoren das verdaut haben dürften, sollte die Rekordfahrt bei den Edelmetallen meiner Meinung nach aber klar weitergehen. Vor diesem Hintergrund macht es weiterhin großen Sinn, die Bestände an physischem Gold und Silber weiter aufzustocken.
