Der „Waffenstillstand“ zwischen den USA und dem Iran ist schon länger das Papier nicht wert, auf dem er steht. Als Nächstes rückt das Fed-Protokoll in den Fokus der Investoren.

Der Iran-Krieg ist erneut eskaliert, dabei hat das US-Militär zuletzt nach eigenen Angaben 80 Ziele im Iran angegriffen. Das sei die Antwort auf die Angriffe des Iran auf mehrere Handelsschiffe, die sich durch die Straße von Hormus bewegt hätten.

Die Nachrichten haben dafür gesorgt, dass der Ölpreis etwas gestiegen war, ehe er schnell wieder nach unten gedreht ist. Dennoch sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen weiter geklettert und liegen aktuell bei 4,58 Prozent. Damit nähern sie sich zügig dem 52-Wochen-Hoch vom 19. Mai von 4,67 Prozent. Das hat gleichzeitig den Dollar gestützt.

Im Gegenzug hatten die Aktienmärkte mehr Gegenwind als zuletzt, woraufhin der DAX eingebrochen ist und sich zusehends vom Rekordhoch der vergangenen Woche entfernt. Dass der Index zwischenzeitlich auf neue Rekordhochs nach oben geschossen war, hat für mich absolut keinen Sinn gemacht, schließlich sind die Geschäftsperspektiven vieler DAX-Unternehmen meiner Meinung nach so trüb wie schon lange nicht mehr.

Trotz der gestiegenen US-Zinsen hat sich der Goldpreis bei rund 4.100 US-Dollar je Unze in der Nähe des Acht-Monats-Tiefs stabilisiert. Offensichtlich ist das Edelmetall zumindest etwas als sicherer Hafen gefragt.

Ist die KI-Blase geplatzt?

Ansonsten hat sich zuletzt der Trend an den Börsen fortgesetzt, der bereits vergangene Woche am Laufen war. So haben Investoren weiter kräftig Aktien von Herstellern von Speicherchips im Speziellen und Chips im Allgemeinen verkauft und das Geld in die Papiere der Hyperscaler, also der großen Cloud-Anbieter wie Amazon und Microsoft, gesteckt.

Auslöser war die Nachricht, demnach Meta Platforms ein Cloud-Geschäft aufbauen wolle. Investoren haben das so interpretiert, dass Meta zu hohe Kapazitäten an Rechenleistung aufgebaut habe, was zumindest kurzfristig die Nachfrage nach Infrastrukturinvestitionen dämpfen werde.

Das waren schlechte Nachrichten für die in den vergangenen Monaten um mehrere hundert Prozent nach oben geschossenen Aktien der Hersteller von Speicherchips, wie des US-Konzerns Micron Technology und der südkoreanischen Wettbewerber SK Hynix und Samsung Electronics. Das hat für einen Ausverkauf im gesamten Chipsektor gesorgt.

Für zusätzlichen Verkaufsdruck haben die am 7. Juli veröffentlichten vorläufigen Quartalszahlen von Samsung Electronics für das zweite Quartal gesorgt. Dabei lag der Umsatz leicht unter den Schätzungen der Analysten, was Investoren sofort mit kräftigen Verkäufen quittiert haben.

Sollte die KI-Blase tatsächlich geplatzt sein, sollte das meiner Meinung nach den Goldpreis in den nächsten Wochen beflügeln. Wieso? In den vergangenen Monaten haben Investoren Aktien außerhalb des KI-/Chip-Bereichs, Anleihen sowie Gold und Silber verkauft, um das Geld in KI-/Chip-Aktien zu stecken, um möglichst über Nacht reich zu werden.

Sollte nun allerdings die KI-Blase geplatzt sein, sollte dieser Trade auf den Kopf gestellt werden, wobei Investoren KI-/Chip-Aktien verkaufen sollten und das Geld in andere Aktien, aber auch in Gold und Silber stecken sollten.

In dem Zusammenhang gilt es zu beobachten, wie das geplante Zweit-Listing von Hynix am Freitag, 10. Juli, an der Nasdaq in den USA laufen wird. Dabei will die Firma 28 Mrd. US-Dollar per Kapitalerhöhung einsammeln.

Wie gewaltig der Kapitalbedarf der Hyperscaler derzeit ist, zeigt, dass Amazon zuletzt mehrjährige Anleihen im Volumen von 25 Mrd. US-Dollar platziert hat, dabei belief sich die Nachfrage der Investoren auf rund 62 Mrd. US-Dollar. Dabei hatte der Konzern erst im März Anleihen im Volumen von 37 Mrd. US-Dollar platziert sowie für 14,5 Mrd. Euro Euro-Anleihen.

Fed-Protokoll im Fokus

Als Nächstes steht das Fed-Protokoll ganz oben auf der Agenda der Investoren, es wird am Mittwochabend, 8. Juli, 20 Uhr, veröffentlicht. Investoren wollen sehen, ob auch die anderen Fed-Mitglieder so falkenhaft sind wie der neue Fed-Chef Kevin Warsh. Er hatte auf seiner ersten Pressekonferenz als Fed-Chef nach der Sitzung am 17. Juni wiederholt betont, dass die Fed für „Preisstabilität“ sorgen werde, woraufhin die Zinsen nach oben geschossen sind.

Während viele „Experten“ der Überzeugung sind, dass die Fed bis Ende 2026 den Leitzins mindestens einmal anheben dürfte, halte ich dieses Szenario weiterhin für sehr unrealistisch. Denn meiner Meinung nach würde jeder noch so kleine Zinsanstieg viele hochverschuldete Unternehmen und Verbraucher erheblich belasten, was die Investitionen und den Konsum dämpfen würde. Das ist aber das Letzte, was US-Präsident Donald Trump zulassen würde. Schauen Sie sich bitte an, wie schwach die Häuserverkäufe oder der Absatz neuer Autos in den USA sind.

Gigantische Schuldensause in Deutschland

Die Lage in Deutschland sieht ebenfalls alles andere als schön aus, wenn man in den Medien alltäglich Nachrichten zum Jobabbau oder Insolvenzen, gerade bei Industriefirmen, liest.

Gleichzeitig eskaliert die Schuldensause hierzulande immer weiter. Laut den neuesten Plänen der Bundesregierung soll die Neuverschuldung inklusive der „Sondervermögen“ für Bundeswehr und Infrastruktur 2027 auf 203,6 Mrd. Euro nach oben schießen, nach geplanten 181,6 Mrd. Euro für 2025.

Damit würde sich die Neuverschuldung 2027 auf horrende 36,7 Prozent der Staatsausgaben (555,4 Mrd. Euro) belaufen – Wahnsinn! Zudem soll die Neuverschuldung in den nächsten Jahren zusehends weiter steigen und 2030 219,5 Mrd. Euro erreichen. Jedem sollte klar sein, dass das alles eine Schönwetterrechnung ist und das Haushaltsdefizit schlussendlich deutlich höher sein dürfte als derzeit angekündigt.

Die Planung der Bundesregierung bedeutet zudem, dass die Neuverschuldung im Fünf-Jahres-Zeitraum 2026 bis 2030 bei insgesamt mehr als 1,0 Billionen Euro liegen wird. Ich mag mir lieber nicht vorstellen, welche Folgen diese massive Schuldensause in den nächsten Jahren haben wird. Allerdings wird sie zweifellos die Inflation anheizen und schlussendlich kräftige Steuererhöhungen für viele Bürger zur Folge haben.

Erst einmal gilt es aber, die Entwicklung bei den KI-/Chip-Aktien, beim Iran-Krieg und die Ergebnisse des Fed-Protokolls zu beobachten. Wenn mein obiges Szenario stimmt, sollte sich der Goldpreis in den nächsten Wochen zumindest stabilisieren. Wenn sich die Lage tatsächlich entspannen sollte, sollte man dann die günstigen Preise nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.