Nach dem Höhenflug ist der US-Aktienmarkt am vergangenen Donnerstag deutlich nach unten gedreht, was auch den DAX belastet hat. Umso mehr warten Investoren auf das Fed-Protokoll und den US-Arbeitsmarktbericht.

Bei vielen Anlegern hat die Nervosität in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. Los ging es am vergangenen Donnerstag, 13. November, als der US-Aktienmarkt deutlich nach unten gedreht ist.

Dafür gab es meiner Meinung nach zwei Gründe: Einerseits hatten Investoren Sorge, dass die Hyperscaler (große Cloud-Service-Anbieter) viel zu viel Geld in KI/Rechenzentren investieren würden, womit sich ihre finanzielle Situation verschlechtern würde. Damit hat der KI-Hype, der in den vergangenen Jahren einer der wichtigsten Treiber für die Rekordfahrt beim S&P500 war, Risse bekommen.

Andererseits gehen Investoren zunehmend davon aus, dass die Fed bei der nächsten Sitzung am 10. Dezember den Leitzins eventuell doch nicht senken könnte, nachdem die Hoffnung auf eine mögliche Senkung im Dezember den US-Aktienmarkt in den Wochen und Monaten vor der bislang letzten Fed-Sitzung am 29. Oktober nach oben getrieben hatte. Deswegen sind die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen zuletzt etwas gestiegen, was auch den US-Dollar ein wenig mit nach oben gezogen hat.

In dem Umfeld waren US-Aktien eingebrochen, was auch den DAX deutlich mit nach unten gezogen hat. Meiner Meinung nach hat Ersteres auch den Goldpreis belastet, schließlich dürfte es bei Hedgefonds und anderen Spekulanten Margin Calls gegeben haben, nachdem die Spekulanten zuvor auf Pump auf weiter steigende US-Aktienkurse gewettet hatten.

Wenn es aber plötzlich überraschend nach unten geht, müssen die Spekulanten mehr Sicherheitsleistung stellen und brauchen daher Liquidität. In dem Szenario dürften etliche Spekulanten Gold verkauft haben, um sich Liquidität zu beschaffen, woraufhin der Preis deutlich nachgegeben hat.

Nach dem Rückgang und der anschließenden Erholung notiert das Edelmetall bei rund 4.080 US-Dollar je Unze. Das ist ein Anstieg um 55 Prozent seit Jahresanfang. Das ist meiner Meinung nach sensationell und ich bleibe zuversichtlich, dass das noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein sollte.

Warten auf Fed-Protokoll und US-Arbeitsmarktbericht

Umso gespannter warten Investoren auf das Fed-Protokoll, das am Mittwochabend, 19. November, um 20 Uhr veröffentlicht wird. Meiner Meinung nach sollte es allerdings kaum Neuigkeiten enthalten, schließlich hat Fed-Chef Jay Powell auf der Pressekonferenz nach der Oktober-Sitzung unmissverständlich klargemacht, dass die Fed bei der Dezember-Sitzung den Leitzins nicht senken wolle. „Eine Zinssenkung ist keine ausgemachte Sache, bei Weitem nicht“, hatte Powell gesagt.

Wenige Stunden nach dem Fed-Protokoll legt der Hersteller von KI-Akzeleratoren Nvidia die Quartalszahlen vor. Je nachdem, wie sie und gerade der Ausblick ausfallen sollten, wird das Auswirkungen auf den Gesamtmarkt haben – und damit auch möglicherweise auf den Goldpreis.

Falls die Nvidia-Aktie nach der Zahlenvorlage deutlich zulegen und damit auch den S&P500 nach oben ziehen sollte, dürfte meiner Meinung nach auch der Goldpreis steigen. Umso genauer werde ich mir die Ergebnisse von Nvidia anschauen.

Tags drauf, am Donnerstag, 20. November, wird um 14.30 Uhr der stark verspätete US-Arbeitsmarktbericht für September veröffentlicht. In dem Monat sollen 50.000 Jobs geschaffen worden sein, während die Arbeitslosenquote bei 4,3 Prozent erwartet wird.

Ja, der Arbeitsmarktbericht für September ist völlig veraltet, inzwischen hätte man längst jenen für Oktober vorlegen müssen, was aber aufgrund des zwischenzeitlichen Shutdowns nicht passiert ist. Je nachdem, wie der Bericht für September ausfallen sollte, dürfte das dennoch für deutliche Ausschläge bei US-Zinsen und US-Dollar und damit bei S&P500 und auch beim Goldpreis sorgen.

Am Freitag, 21. November, folgen dann die Einkaufsmanagerindizes von S&P Global für Deutschland, die Eurozone und die USA. Je nachdem, wie diese Daten sein werden, werden auch sie Einfluss auf Zinsen, Euro und US-Dollar sowie S&P500 und die Notierung des Edelmetalls haben.

Aussichten für Gold bleiben hervorragend

Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass der Goldpreis kurzfristig erneut unter Druck kommen könnte, gerade falls es zu neuen Turbulenzen an den Aktienmärkten kommen sollte.

Davon sollte man sich aber nicht verunsichern lassen, schließlich hat sich an den mittel- und langfristigen Aussichten für das Edelmetall in den vergangenen Tagen absolut nichts verändert. Die Perspektiven bleiben meiner Meinung nach glänzend, schließlich dürfte die Schuldensause in den USA unter Präsident Donald Trump ungebremst weitergehen, woraufhin der US-Dollar aufgrund der anhaltenden US-Dollar-Schwemme weiter zügig an Wert verlieren sollte.

Verschlimmert würde die Sache werden, falls die Fed den Leitzins im nächsten Jahr – wie von Trump zahllose Male gefordert – tatsächlich drastisch senken und damit die Zinsen für Staatsanleihen sowie für Kredite an Unternehmen und Verbraucher nach unten ziehen sollte. Je niedriger die Zinsen sein sollten und schlussendlich sogar unterhalb der Inflationsrate liegen könnten – das nennt man negative Realzinsen –, umso schneller würde der US-Dollar an Wert verlieren.

Mit dem anhaltenden Verfall der mit weitem Abstand wichtigsten Leitwährung, dem US-Dollar, verlieren auch alle anderen Fiat-Währungen weiterhin an Wert, untereinander, aber vor allem gegenüber Gold. Daher macht es weiterhin großen Sinn, die Bestände an physischem Gold deutlich aufzustocken.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.