Der Goldpreis in US-Dollar kletterte am Mittwoch auf ein neues 8-Jahreshoch bei 1.779 US-Dollar für den Spotpreis (1.796 US-Dollar im Future). Eine steigende Anzahl bestätigter Covid-19 Neuinfektionen in den USA entfacht neuerliche Sorgen bei Investoren vor einem zweiten Shutdown der Volkswirtschaften. Dadurch entstand vergangene Woche Abgabedruck am Aktienmarkt, während die Nachfrage in Gold als sicherer Hafen in Krisen- und Inflationszeiten wieder zunahm. Am Freitagnachmittag schoss der Goldpreis um 30 US-Dollar nach oben, nachdem Texas und Florida aufgrund steigender Fallzahlen die Schließung aller Bars veranlasst hatten. Obwohl der Bundestag die pandemische Lage von nationaler Tragweite aufgehoben hat, wird man alle Maßnahmen bis 31. März 2022 weiter gelten lassen.

Bayerns angekündigter Corona-Test für jedermann könnte wie in den USA letztlich auch hier entsprechend für steigende Infektionszahlen sorgen und somit als Begründung für die erfolgte Verlängerung der Maßnahmen herhalten. Diese Entwicklungen werden genutzt werden, um weitere fiskalische sowie geldpolitische Eingriffe zu rechtfertigen, was letztlich in den kommenden zwei Jahren eine anhaltende Abwertung des Euros und einen Anstieg des Goldpreises nach sich ziehen wird.

Larry Kudlow, der oberste Wirtschaftsberater des US-Präsidenten, beschwichtigte hingegen, um den Aktienmarkt zu stützen und sagte auf FOX Business vergangene Woche, dass es in den USA „absolut und definitiv“ keinen zweiten Shutdown geben werde, womit er US-Präsident Trumps Aussagen wiederholte. Er legte noch einen drauf und schlug Steuererleichterungen vor, sprach von weiteren möglichen Direktschecks für die Bevölkerung bei der nächsten Konjunkturrunde und beschwichtigte mit seiner Erwartung, dass es einen V-förmigen Aufschwung der Wirtschaft geben werde, wenn die Nation sich wieder völlig öffne. Auf seine Verbalintervention hin stiegen die Aktienmärkte kurzzeitig wieder an.

Die Rallye an den Aktienmärkten wurde bisher durch die Liquidität der Fed und der anderen Notenbanken getrieben, doch setzt sich die Bereinigung von Fehlallokationen in der Realwirtschaft fort. In den USA beantragten vergangene Woche so viele Unternehmen Insolvenzschutz wie seit Mai 2009 nicht mehr.

USA Insolvenzen 29.06.2020

Vergangene Woche wurden in den USA so viele Insolvenzen wie zuletzt im Mai 2009 gemeldet

Ein großer Teil der Bankrotte kommt jedoch aus dem hochverschuldeten Energiesektor, da ein Drittel aller Schieferölproduzenten bei einem Rohölpreis von 35 US-Dollar eher über kurz als lang pleitegehen werden. Ein Vergleich der aktuellen Situation mit der Krise von 2007 bis 2009 hinkt jedoch, denn anstatt einer restriktiven Kreditvergabe wie in 2008, verhindert eine extrem lockere Vergabe von zusätzlich staatlich garantierten Krediten über das Geschäftsbankensystem eine ähnliche Konkurswelle wie damals. Die Inflation wird Löhne real fallen und Preise relativ schnell steigen lassen, was die Erträge der Unternehmen verbessern und die Bereinigung von Fehlallokationen verschleppen wird.

Diese zu 2008 diametral gegensätzlich lockere Kreditvergabe erfüllt ihren Zweck und haucht den in Schwierigkeiten geratenen Zombieunternehmen neues Leben ein. So sind die notleidenden Anleihen und Kredite zum 19. Juni auf 344 Milliarden Dollar gesunken von vormals 544 Milliarden Dollar am 15. Mai. Zum 22. Juni gab es insgesamt 621 notleidende Anleihen von 324 Emittenten, verglichen mit 1.896 Emissionen von 892 Unternehmen zum Höchststand vom 23. März. Auch in den Schwellenländern schrumpft das Volumen notleidender Anleihen ebenfalls.

Blowing Over 29.06.2020

Die Notenbanken haben die Zombieunternehmen vor dem Schuldentod bewahrt

Das frühe Eingreifen der Notenbanken und Regierungen verhinderte die Entwicklung einer ähnlichen Krise wie 2008 schon in ihren Anfängen, womit die Fed so handelte, wie wir es für die nächste Krise bereits im letzten Jahr prognostizierten.

Das Bundesverfassungsgericht hatte Anfang Mai das Kaufprogramm PSPP, das die EZB 2015 aufgelegt hatte, als teilweise verfassungswidrig eingestuft und somit der Staatsfinanzierung über die Druckerpresse eine Absage erteilt. Karlsruhe verlangte, dass die Europäische Zentralbank die Verhältnismäßigkeit ihrer Anleihekäufe binnen drei Monaten besser begründe. Jetzt hat die EZB der Bundesregierung und dem Parlament vermeintlich wichtige Dokumente zu den umstrittenen Anleihekäufen zur Verfügung gestellt, um dies zu belegen. Jede Regierung in der Geschichte hatte bisher eine Begründung gefunden und eine rechtliche Grundlage selbst geschaffen, um die Ausgaben über das Drucken von Geld bzw. die Inflationssteuer zu finanzieren. So wird man auch diesmal einen Kompromiss finden und die Geldflut dürfte unvermindert weitergehen.

Corona-Lockdown als Katalysator der unvermeidbaren Rezession & Inflationierung

Der Shutdown richtete enormen Schaden an, wobei sich die US-Wirtschaft schon vorher auf dem Weg in die Rezession befand. Der IWF sieht die Weltwirtschaft in 2009 um 4,9 Prozent schrumpfen, während man im April noch ein Minus von drei Prozent erwartet hatte. 2021 erwartet der IWF hingegen wieder ein Wachstum der Weltwirtschaft von 5,4 Prozent. Der EZB-Chefökonom Philip Lane rechnet hingegen für den Euroraum nicht vor 2022 mit einer Rückkehr der Wirtschaft zum Wachstumsniveau vor der Corona-Krise.

Die aktuelle Krise hatte einen anderen Auslöser als 2008 und nahm durch das Eingreifen der Notenbanken schnell eine völlig andere Richtung. Die Notenbanken der Welt werden weiterhin das Gaspedal voll durchdrücken und so viel Geld drucken, wie sie können. Die Löhne dürften die kommenden zwei bis drei Jahre noch niedrig bleiben, während die harmonisierten Verbraucherpreisindizes kurzfristig den Großteil der Inflation herausrechnen werden, weshalb erst ab 2022 bis 2023 die Inflation für die Masse der Bevölkerung sichtbar auf die Preise und die Lebenshaltungskosten durschlagen dürfte. Der Moment, in dem sich die Menschen über den rapiden Kaufkraftverlust der Fiat-Währungen bewusst werden, wird eine Flucht in den inflationsgeschützten sicheren Hafen der Edelmetalle Gold und Silber ausgelöst werden.

Kurzfristig werden die Edelmetalle noch sehr volatil bleiben. Jedoch werden die Preise langsam ansteigen und es wird sich immer mehr Kaufdruck aufbauen, da jeder Vermögensberater seinen Kunden jetzt Edelmetalle empfehlen dürfte, angesichts der bevorstehenden Geldschwemme. Entsprechend einer Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Bilanzsumme der US-Notenbank und auch der EZB scheint es logisch und konsequent zwingend, dass auch der Goldpreis einen entsprechenden Anstieg vollziehen wird. Ein Goldpreis von 4.500 US-Dollar je Feinunze und ein Silberpreis von 75 bis 100 US-Dollar sind auf Sicht von 5 bis 10 Jahren daher eine gänzlich realistische Erwartung, möglicherweise gar höhere Notierungen, wenn die Notenbanken  weiterhin derart aggressiv Geld drucken. Die Krise ist bei weitem nicht vorbei und mit Blick auf eine zeitgemäße Absicherung der Lebensersparnisse raten wir unseren Lesern eine hinreichende Gewichtung an physischem Gold und Silber zum Schutz ihrer Vermögen vor der Inflation und Geldentwertung zu kaufen!

Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.