Ebenso wie Schweden in Europa, so haben auch in den USA ein Fünftel der Bundesstaaten keinen Shutdown ihrer Volkswirtschaften durchgeführt. Der US-Bundesstatt South Dakota musste sich daher auch nicht weitergehend verschulden, um Unternehmen und Arbeitslose während einer Zwangsschließung mit Hilfszahlungen zu unterstützen, weshalb der Staatshaushalt im ersten Halbjahr ausgeglichen war und sogar 19 Millionen US-Dollar zu viel Steuern eingezogen wurden. In Europa verlief die Pandemie in Schweden, das keinen Shutdown hatte, nicht schlimmer als in den anderen europäischen Staaten, deren Politiker die eigenen Volkswirtschaften und insbesondere die kleinen Unternehmen in den Bankrott getrieben haben und weiterhin treiben.

Obwohl die Shutdowns weltweit, besonders in den ärmsten Ländern, verheerendes Leid, Armut und Tod erzeugen, steigen die Aktienmärkte global und insbesondere in den USA wieder stark an. Die Technologiebörse Nasdaq hatte längst ein neues Allzeithoch erreicht und auch die Standardaktienmärkte halten sich bisher auf relativ hohem Kursniveau. Sollten die Aktienmärkte nicht fallen wenn die Wirtschaft einbricht, wie viele Permabären es ständig prognostizieren?

Den Menschen fällt es schwer, nominale und reale Preisveränderungen zu erkennen und zu verstehen. Was auf die Konsumentenpreise zutrifft, die seit Jahrzehnten etwa 8 % stärker steigen als es der staatlich berechnete harmonisierte Verbraucherpreisindex der Bevölkerung erfolgreich vorgaukelt, so unterliegen die Preise für Aktien an den Weltbörsen dem gleichen Phänomen. Ein Blick auf die Hyperinflationsphase in Zimbabwe hilft beim Verständnis der Zusammenhänge. Obwohl es dort aufgrund der fehlgeschlagenen Politik weder Elektrizität, fließendes Wasser, Essen, noch eine funktionierende Volkswirtschaft gab, stiegen die Aktien an der Zimbabwe Börse über Jahre extrem stark an und verdoppelten sich oftmals an einem einzigen Tag. Wie kann das sein? Ganz einfach – der Anstieg der Aktienmärkte entsprach der Inflation der Geldmenge, also der Veränderungsrate, mit der die Geldmenge täglich vermehrt bzw. vice versa der Zimbabwe Dollar abgewertet wurde. Unsere Aktienmärkte erholten sich nach der Finanzkrise von 2008 und auch während des Corona-Shutdowns aufgrund der gleichen geldpolitischen Zusammenhänge.

Die US-Notenbank hat seit März ihre Bilanzsumme um über 80 % ausgeweitet, was den Wert des US-Dollars langfristig um 40 % entwerten wird. Smarte Investoren, die die Zusammenhänge verstehen, preisten sofort die kommende Abwertung des Dollars in die Aktienkurse ein und kauften die im Verhältnis zur kommenden Abwertung des Dollars günstigen Aktien. Außerdem haben die Notenbanken die Geschäftsbanken so vor einer Pleitewelle in einem deflationären Crash bewahrt, was auch die Kettenreaktion einer Pleitewelle aufgrund steigender Zinsen und eingeschränkter Kreditvergabe größtenteils verhindert bzw. extrem stark gemildert hat. Wer diese Zusammenhänge hingegen nicht versteht, der wartet heute noch auf eine Fortsetzung des Bärenmarktes, während die Nasdaq seit Jahresanfang bereits ein Plus von 20 % aufweist.

Im folgenden Chart sehen Sie einmal den amerikanischen S&P 500 Aktienindex sowie die Bilanzsumme der US-Notenbank. Die Verdoppelung der Geldmenge im Jahr 2008 und die anschließende Vervierfachung bis 2014 waren der primäre Treiber der starken Hausse, die wir bis Anfang 2020 sahen. Seit März 2020 wurde die US-Geldmenge wieder um 80 % ausgeweitet und ein Ende des Gelddruckens ist noch lange nicht in Sicht.

S&P 500 vs FED Bilanzsumme

Die US-Notenbank antwortet seit 2008 auf Krisen mit dem Drucken von Geld

Im folgenden Chart sehen Sie noch einmal den amerikanischen S&P 500 Aktienindex, doch diesmal zusätzlich den S&P 500 um die Ausweitung der Bilanzsumme bereinigt (goldene Linie). Rechnet man die beinahe Verdoppelung der Geldmenge binnen dreier Monate heraus, dann zeigt sich, dass der S&P 500 aktuell real, bereinigt um die Inflation der Geldmenge, immer noch nahe dem Corona-Tief vom März notiert. Eine echte Erholung der Realwirtschaft ist aus dieser Sicht noch gar nicht eingepreist. Investoren haben bis dato lediglich die kommende Abwertung des US-Dollars eskomptiert. Kommt es zu keinem weiteren Shutdown der Volkswirtschaften und zu einer realen Erholung der Wirtschaft im nächsten Jahr, dann wird der S&P 500 relativ schnell neue Hochs erreichen. Kommt dazu noch eine zusätzliche Ausweitung der Geldmenge, dann muss man in den kommenden zehn Jahren im besten Fall mit einem ähnlichen Anstieg des Aktienmarktes wie nach dem Tief im Jahr 2009 bis 2020 rechnen. Selbst dann, wenn sich eine langjährige Stagflation im Umfeld steigender nominaler Zinsen herausbildet, ist durch eine weitergehende Ausweitung der Geldmenge eine volatile Seitwärtsphase am Aktienmarkt ein realistisches Szenario.

Interessant ist am folgenden Chart noch, dass der Aktienmarkt im Crashtief wieder auf das reale Tief von 2009 fiel, was zeigt, dass es sich bei dem Anstieg der letzten Dekade lediglich um eine potemkinsche monetäre Illusion handelte. Es war ein liquiditätsinduzierter, auf Sand gebauter konjunktureller Aufschwung, der nur noch mehr Fehlallokationen erzeugt hatte, als es vor der Krise von 2008 ohnehin schon gab.

S&P 500 vs S&P 500, FED Bilanzsumme

Bereinigt um die Inflation der Geldmenge notiert der Aktienmarkt immer noch auf dem Crashtief vom März

Man hört in den letzten Wochen und Monaten immer wieder Fondsmanager auf neue, junge, unerfahrene Trader schimpfen, die vermeintlich dummerweise in das fallende Messer gegriffen hätten und so für den rasanten Anstieg des Aktienmarktes verantwortlich wären. Vermeintlich smarte Fondsmanager würden hingegen auf den weiteren Bärenmarkt warten, um dann erst viel, viel tiefer zu kaufen. Die vermeintlichen Profis sind zumeist gar nicht so Profi, denn 99 % der Fondsmanager schaffen es nicht, die Performance des Marktes zu schlagen. Zum anderen ist es sehr unglaubwürdig, dass einige Millionen „Kids“ allein für den Anstieg der weltweiten Aktienmärkte auf breiter Front verantwortlich sein sollen. Es mag sein, dass diese neuen Trader unbedarft in das fallende Messer gegriffen und den Rücksetzer als Kaufchance nutzen, wobei sie jetzt Glück hatten und mit Profit aus dem Crash hervorgehen, doch vor allem waren es smarte Investoren, die sich nicht gegen die amerikanische Notenbank Fed gestellt, sondern mit der Ankündigung von QE-Infinity gekauft haben, die für den Anstieg verantwortlich sind. Es sind die gleichen smarten Investoren, die im letzten Jahr bereits Gold kauften und den Preis nach oben trieben, in weiser Voraussicht, dass die Märkte nach der längsten Hausse der Geschichte kurz vor einer Rezession und einem Einbruch standen und diese ahnten, wie die Notenbanken reagieren würden. Es sind die gleichen smarten Investoren, die vor dem Einbruch ihre Aktien abgaben, während die Medien Corona in Europa noch ignorierten und Lieschen Müller noch zum Kauf rieten.

Schafe werden geschlachtet

„Schafe werden geschlachtet“ (Gordon Gekko – Wall Street)

Aus dem gleichen Grund, warum die Aktienmärkte wieder stiegen – wegen der Inflation und der folgenden Abwertung der Fiat Währungen – werden auch die monetären Edelmetalle Gold und Silber, trotz der letztjährigen bereits erfolgten Rallye mit einem Anstieg um 60 %, in den kommenden Jahren immer weiter ansteigen und auch die kommende Inflation eskomptieren. Im Jahr 2007, dem Jahr vor der Lehman Pleitein 2008, stieg der Goldpreis bereits stark an, da smarte Investoren das Platzen der Immobilienblase kommen sahen, das Eingreifen der Notenbanken antizipierten und deshalb frühzeitig noch vor allen anderen Investoren billig Gold akkumulierten.

Gold vs FED Bilanzsumme

Der Goldpreis steigt wie der Aktienmarkt aufgrund der Ausweitung der Geldmenge und der Abwertung der Fiat-Währungen

Anders als in 2008 wird diesmal Geld nicht nur in die Banken, sondern auch direkt an die Bürger über die Fiskalpolitik, Jobprogramme und direkte Schecks vergeben. Diese neue Geldmenge, die sofort beim Verbraucher verfügbar ist, wirkt unmittelbar auf die Nachfrage und die Konsumgüterpreise, besonders dann, wenn die Konjunktur in ein bis drei Jahren wieder deutlich angezogen hat. Steigende Konsumgüterpreise werden selbst die harmonisierten Verbraucherpreisindizes nach oben treiben und so einen Anstieg der Zinsen und einen Einbruch des Anleihenmarktes erzwingen, was wiederum erneutes Eingreifen der Notenbanken nach sich ziehen könnte.

In den USA erwägt US-Finanzminister Steven Mnuchin nun sogar alle „kleinen“ Corona-Nothilfe-Kredite (PPP-Darlehen) unter 150.000 Euro zu erlassen. Darunter würden etwa 87 % aller PPP-Kredite fallen, die bis zum 30. Juni gewährt wurden. US-Präsident Trump sagte, er wolle, dass jedes neue Entlastungspaket eine Senkung der Steuerlast beinhalten solle. Die Demokraten lehnten die Idee jedoch ab und sogar einige Republikaner haben sich dagegen gesträubt. Am 10. Juli waren noch 132 Milliarden Dollar an PPP-Mitteln übrig. Mnuchin unterstützt eine zweite Runde von PPP-Darlehen, da das aktuelle Programm kurz vor seinem Ende steht. “Wir sind uns völlig einig, dass den am stärksten betroffenen Unternehmen ein zweiter Scheck zur Verfügung gestellt werden sollte und es sollte entsprechende Auflagen geben”, sagte er vergangene Woche. Damit ist klar, dass das Geld, das ausgegeben wurde, auch nicht mehr zurückkommen wird. Die Preise werden aufgrund der Inflation der Geldmenge diesmal schneller als nach der Krise von 2008 ansteigen. Sinn dahinter ist eine starke Rekapitalisierung des zu hoch gehebelten Kreditgeldsystems.

Eine weitergehende deutliche Abwertung des Dollars und des Euros ist unausweichlich. Die monetären Edelmetalle Gold und Silber werden diametral gegensätzlich auf die Abwertung der beiden ungedeckten Fiat-Währungen mit stark steigenden Preisen reagieren. Eine neue Goldhausse steht in den nächsten Jahren bevor und man sollte ebenso klug wie die Smarten Investoren handeln und noch jetzt, vor dem weiteren Anstieg des Gold- und Silberpreises in den nächsten Jahren, in diese beiden Edelmetalle investieren!

Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.