US-Finanzminister Scott Bessent manipuliert die Zinsen für langlaufende US-Anleihen nach unten. Als Nächstes rückt die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole in den Fokus der Investoren.

Vor allem ein Thema beherrscht derzeit die Börsen: der Versuch von US-Finanzminister Scott Bessent, die Zinsen für langlaufende US-Staatsanleihen künstlich deutlich nach unten zu manipulieren.

Dazu hatte das Finanzministerium am Mittwoch, 19. August, völlig überraschend bekannt gegeben, dass es bei den Operationen (Rückkauftagen) zwischen dem 9. September und dem 4. November die Rückkäufe von Anleihen mit einer Laufzeit von 10 bis 20 Jahren sowie von 20 bis 30 Jahren von maximal 2 Mrd. US-Dollar auf mindestens 4 Mrd. US-Dollar pro Operation mindestens verdoppeln wird. Das können Sie in dem Beitrag „Pläne des US-Finanzministeriums lassen den Goldpreis nach oben schießen“ nachlesen.

In dem Beitrag hatte ich geschrieben, dass man bei rund 4 Operationen pro Monat und damit einem Rückkaufvolumen von insgesamt mindestens 16 Mrd. US-Dollar die Zinsen nicht deutlich nach unten treiben könne, weil das Volumen schlichtweg zu niedrig sei. Dessen waren sich offenbar auch viele Investoren schnell bewusst, weil die Zinsen für 10-jährige (und länger laufende) Anleihen nach einem kurzen Rückgang schnell wieder nach oben gedreht waren.

Also hat das Finanzministerium nachgelegt und zuletzt ins Spiel gebracht, dass man den Cash-Bestand des Finanzministeriums (Treasury General Account, kurz TGA) für die Anleihekäufe heranziehen könne. Er belief sich zuletzt auf 936,4 Mrd. US-Dollar und lag damit in der Nähe des höchsten Niveaus seit April 2021.

Etliche Analysten haben aber gleich geschrieben, dass man nicht das gesamte Geld für die Rückkäufe von Anleihen verwenden könne, schließlich müsse das Finanzministerium eine Menge an Rechnungen bezahlen, während sich das Haushaltsdefizit auf mehr als 2 Billionen US-Dollar pro Jahr beläuft. Einige Experten haben daher geschrieben, dass das Ministerium möglicherweise insgesamt 100 bis 200 Mrd. US-Dollar für Anleiherückkäufe einsetzen könnte.

Bei früheren QE-Gelddruckrunden hatte die Fed für rund 100 Mrd. US-Dollar pro Monat langlaufende Anleihen gekauft und damit die Zinsen deutlich nach unten manipuliert. Würde das US-Finanzministerium etwas Ähnliches tun, dann müsste es für 100 Mrd. US-Dollar pro Monat langlaufende Anleihen zurückkaufen, dann würden sich die Rückkäufe auf rund 25 Mrd. US-Dollar pro Operation bzw. Rückkauftag belaufen – das ist eine Menge Holz!

In dem Szenario würde das Finanzministerium die bis zu 200 Mrd. US-Dollar innerhalb von 2 Monaten hinausblasen. Nach einem möglichen Ende der Anleiherückkäufe würden die Zinsen logischerweise aber wieder deutlich nach oben drehen. Also müsste das Finanzministerium die massiven Rückkäufe fortsetzen, oder die Fed springt ein und kauft ihrerseits massiv Staatsanleihen, um so die Zinsen nach unten zu manipulieren.

Wie dem auch sei: Je massiver die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen durch das Finanzministerium in den nächsten Wochen und Monaten sein sollten, umso mehr würden die Zinsen nach unten gedrückt werden – im Gegenzug sollte der Goldpreis umso mehr Auftrieb haben, zumal die niedrigeren Zinsen auch den Dollar mit nach unten ziehen sollten. Damit hätte die Notierung des Edelmetalls gleich von 2 Seiten aus Rückenwind und sollte den jüngsten Aufwärtstrend klar fortsetzen.

Warten auf US-Inflationsdaten, Nvidia und Warsh

Vor dem Hintergrund warten Investoren auf die US-Inflationsdaten, die am Mittwoch, 26. August, um 14.30 Uhr veröffentlicht werden. Laut den Schätzungen der Volkswirte soll der PCE-Preisindex im Juli leicht zurückgegangen sein von 3,7 auf 3,6 Prozent. Hingegen soll die Kernrate, also der um Nahrungsmittel und Energie bereinigte PCE-Preisindex, stabil geblieben sein bei 3,3 Prozent. Damit würde sie weiter deutlich über dem Inflationsziel der Fed von 2 Prozent liegen. Die Kernrate des PCE-Preisindex ist der bevorzugte Inflationsindikator der Fed und nicht etwa die offizielle Inflationsrate oder deren Kernrate.

Je nachdem, wie die neuesten Daten zum PCE oder dessen Kernrate ausfallen werden, wird das für Ausschläge bei US-Zinsen und Dollar und damit an den Aktienmärkten und bei Gold sorgen.

Am Mittwochabend nach Börsenschluss in den USA legt dann Nvidia die Quartalszahlen vor. Das dürfte für deutliche Ausschläge bei Chip-/KI-Aktien sorgen und damit am Aktienmarkt insgesamt. Je bullischer sich das Management geben sollte, also je stärker KI in den nächsten Jahren boomen könnte, umso größer wäre der Kapitalbedarf der Hyperscaler, also der Betreiber großer Rechenzentren. Umso stärker würde das die Zinsen nicht nur für diese Unternehmen, sondern auch für den Staat nach oben treiben, weil die Kreditnachfrage insgesamt steigt.

Anschließend rückt das Notenbankertreffen, das von Donnerstag, 24., bis Samstag, 26. August, in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming stattfindet, in den Fokus der Investoren. Dort wird Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag ab 14 Uhr (deutscher Zeit) eine Rede geben. Meiner Meinung nach dürfte sich Warsh kaum zu den Anleiherückkäufen des Finanzministeriums äußern.

Auf jeden Fall darf Warsh nichts sagen, was die Zinsen weiter nach oben treiben sollte und damit die Politik von Bessent und damit auch von US-Präsident Donald Trump konterkarieren würde. Sonst dürfte es böse Anrufe von Bessent und Trump bei Warsh geben. Ich werde jedenfalls gespannt beobachten, wie sich Warsh in Jackson Hole schlagen wird.

Vor dem Hintergrund von Bessents Plänen haben sich die Aussichten für Gold auf kurze Sicht deutlich aufgehellt. Je stärker das US-Finanzministerium die Zinsen für 10-jährige und länger laufende Anleihen nach unten manipulieren sollte, umso mehr Auftrieb sollte der Goldpreis haben. Zusätzlichen Rückenwind für das Edelmetall würde es geben, falls die sinkenden US-Zinsen den Dollar weiter nach unten ziehen sollten.

Vor dem Hintergrund sollte es sich lohnen, die aktuellen Preise zu nutzen, um die Bestände an physischem Gold weiter aufzustocken. Aus meiner Sicht dürfte der Fed in den nächsten Jahren nichts anderes übrig bleiben, als die Zinsen für kurz-, mittel- und langfristige Staatsanleihen deutlich nach unten zu manipulieren und dadurch zu verhindern, dass die horrenden Zinszahlungen auf Bundesebene von aktuell rund 1,2 Billionen US-Dollar pro Jahr – das sind rund 100 Milliarden US-Dollar pro Monat – nicht noch deutlich weiter steigen. Gleichzeitig belasten die hohen Zinsen Unternehmen und Verbraucher enorm. Auf Basis dieser Aussichten sollte Gold ein hervorragender Schutz vor der Entwertung des Dollar – und natürlich auch der Fiat-Währung Euro – sein.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.