Der längste Shutdown in den USA neigt sich dem Ende zu, und schon gehen der US-Aktienmarkt und Gold wieder auf Rekordfahrt.

In den vergangenen Tagen war wieder eine Menge los an der Börse. Am vergangenen Mittwoch, 5. November, gab es ein paar überraschend gute Konjunkturdaten aus den USA, woraufhin die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen deutlich gestiegen waren.

So war der US-Arbeitsmarktbericht von ADP besser als erwartet, demnach hat die Privatwirtschaft im Oktober 42.000 Jobs geschaffen. Das lag deutlich über den Schätzungen der Volkswirte von 25.000.

Anschließend war der Einkaufsmanagerindex vom Institute for Supply Management (ISM) für den Dienstleistungssektor überraschend stark gestiegen. Und anschließend hat das US-Finanzministerium Investoren auf eine Erhöhung der Anleiheemissionen vorbereitet.

Obwohl daraufhin die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen deutlich gestiegen waren, sind auch der S&P 500 und der Goldpreis geklettert.

Als es dann tags darauf, am Donnerstag, einige überraschend schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt gab – die Details hierfür erspare ich Ihnen –, waren die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen eingebrochen, woraufhin der S&P 500 wegen der Konjunktursorgen kurz eingeknickt ist und auch den DAX mit nach unten gezogen hat. Hingegen hat der Goldpreis nur eine kleine Verschnaufpause eingelegt, ehe er in den darauffolgenden Tagen deutlich gestiegen ist.

Zum Start in die neue Handelswoche am Montag, 10. November, war dann wieder Party beim S&P 500 und bei Gold. Grund ist die Aussicht auf ein baldiges Ende des Shutdowns in den USA, schließlich ist er mit inzwischen 43 Tagen der mit weitem Abstand längste in der Geschichte der USA.

Nachdem sich der Senat auf einen Übergangsetat geeinigt hat, muss das auch das Repräsentantenhaus tun, ehe Präsident Donald Trump das Gesetz unterzeichnet, woraufhin es in Kraft tritt.

Trump will Schulden nicht senken

Nach dem Ende des Shutdowns könnte die US-Regierung nahtlos mit dem Schuldenmachen weitermachen, während die Liquidität wieder in die Märkte fließen würde. Zwar hat Trump zuletzt behauptet, er wolle die „Schulden“ abbauen, schließlich liegen sie beim Rekord von 38,1 Billionen US-Dollar.

Aber jedermann sollte klar sein, dass Trump weder die Schulden noch das Haushaltsdefizit abbauen will, schließlich will er fast jedem Amerikaner 2.000 US-Dollar aus den Einnahmen aus den Strafzöllen zukommen lassen. Sie beliefen sich im Oktober auf den Rekord von 32 Milliarden US-Dollar, nach 29,6 Milliarden US-Dollar für September. Der Oktober-Wert aufs Jahr hochgerechnet bedeutet 384 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Meiner Meinung nach dürften die Strafzölle allerdings innerhalb weniger Monate beginnen zu sinken, schließlich werden sich viele Unternehmen in den USA sehr bemühen, ihre Ausgaben für Strafzölle zu reduzieren, indem weniger Produkte aus China und anderen Ländern importiert werden und stattdessen verstärkt in den USA produziert wird.

Vor dem Hintergrund sollte die Schuldensause in den USA schon bald wieder auf Hochtouren laufen, wobei die Neuverschuldung weiterhin bei rund 2,5 Billionen US-Dollar pro Jahr liegen dürfte.

Trump wird Powell weiter unter Druck setzen

Umso mehr Druck dürfte Trump auf die Fed ausüben, die Leitzinsen zu senken und damit die Zinsen für Staatsanleihen mit nach unten zu ziehen, zumal die Zinszahlungen auf Bundesebene im zweiten Quartal 2025 bei einer Jahresrate von 1,16 Billionen US-Dollar lagen – Rekord.

Mit dem Ende des Shutdowns werden die Behörden in den USA beginnen, allmählich Konjunkturdaten zu veröffentlichen. Wie immer sie auch ausfallen sollten, Trump dürfte bei jeder Gelegenheit deutliche Zinssenkungen von Fed-Chef Jay Powell fordern.

Das sollte dazu führen, dass die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen nach dem zwischenzeitlichen Anstieg schnell wieder nach unten drehen. Das wiederum sollte den US-Dollar nach der zwischenzeitlichen Erholung wieder mit nach unten ziehen.

Dieses Umfeld sollte den US-Aktienmarkt beflügeln, woraufhin er auf Rekordfahrt bleiben sollte, und gerade auch den Goldpreis nach oben treiben. Dabei ist letzterer seit Ende 2024 um sensationelle 57,2 % gestiegen – Wahnsinn – und liegt mit Kursen von rund 4.130 US-Dollar je Unze um lediglich 6,1 % unter dem Rekordhoch.

Ich gehe davon aus, dass die Notierung bis Ende 2025 auf neue Rekordhochs steigen wird.

Meiner Meinung nach war der zwischenzeitliche Kursrutsch beim Goldpreis eine hervorragende Gelegenheit, um die Bestände an physischem Gold zu etwas niedrigeren Preisen aufzustocken. Genau das sollten Gold-Fans auch weiterhin tun, denn die Rekordfahrt beim Edelmetall sollte in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren klar weitergehen.

Über den Autor

Egmond Haidt begann nach seiner Bankausbildung und dem BWL-Studium im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.