Der US-Dollar tauchte in der vergangenen Handelswoche weiter ab und fiel auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Hintergrund der Schwäche ist die bis dato immer noch unentschiedene US-Wahl, welche die Märkte verunsichert. Diametral gegensätzlich konnte der Euro zum US-Dollar seinen langjährigen Abwärtstrend überwinden und auf 1.218 US-Dollar ansteigen. Am Donnerstag tagt die Europäische Zentralbank, die mit einer Verbalintervention der Eurostärke entgegentreten könnte. Sollte Lagarde die Stärke des Euros nicht adressieren, dann wäre ein weiterer Anstieg des Euros denkbar.

Kurios war in den letzten beiden Handelswochen, dass der Goldpreis in US-Dollar intraday bei einer Dollarschwäche oftmals fiel und bei einer Dollarstärke anstieg, was außergewöhnlich war. Zum Beginn der letzten Handelswoche fiel der Goldpreis auf 1.764 US-Dollar, wobei sich dieser mittlerweile wieder deutlich auf 1.838 US-Dollar erholen konnte. Über 1.815 US-Dollar fanden kurzfristig agierende Trader ein Kaufsignal, das den Goldpreis nur bis zum nächsten Widerstand bei 1.850 US-Dollar hievte, bevor dem Anstieg bereits wieder die Luft ausging.

Dashboards vom 07.12.2020

Gold befindet sich noch in der Korrektur, doch Platin konnte auf ein Mehrjahreshoch ansteigen

Dieser kleine Sprint war lediglich auf die Dollarschwäche zurückzuführen und der Goldpreis in Euro verharrte unverändert im Bereich von 1.515 Euro je Feinunze. Nach dem starken Abverkauf um 130 US-Dollar fällt die Preiserholung bisher schwach aus, da die aktuell hohen Abflüsse aus den physisch hinterlegten Gold-Produkten für ein temporäres Überangebot am physischen Markt sorgen. Mit den neuen Impfstoffen stieg der Risikoappetit der Investoren wieder, da diese auf ein baldiges Ende der Teil-Shutdowns und somit einer deutlichen Erholung der Wirtschaft hoffen. Der US-Aktienmarkt konnte daher neue Allzeithochs erklimmen, während die Nachfrage nach dem sicheren Hafen der Edelmetalle kurzzeitig abnimmt.

Jene, die ihr Gold jetzt verkaufen und in den nun überteuerten Aktienmarkt einsteigen, begehen einen strategischen Fehler, denn während einer Stagflation, in der sich die Weltwirtschaft zweifelsohne befindet, steigt der Goldpreis stärker als der Aktienmarkt. Dieser befindet sich während einer Rezession natürlich auch diesmal in einem realen Bärenmarkt, auch wenn die Inflation dies kaschiert und hohe Kursniveaus verteidigt oder gar neue nominale Allzeithochs erreicht werden können. In einem Umfeld realer Negativzinsen, während eines stagflationären Umfelds, bleiben die monetären Edelmetalle Gold und Silber die beste Anlageklasse für die nächsten Jahre. Die aktuelle Korrektur wird daher eine nochmals günstige Einstiegschance für all jene bieten, die die vorherige Rallye verpasst haben sowie all jene, die mit uns zum Hoch bei etwa 2.050 US-Dollar verkauft haben oder gar short gingen.

Inflation – Wohin geht die Reise?

Selbst Mainstream-Ökonomen wie der britische Ökonomie-Professor und langjährige Mitarbeiter der Bank of England, Charles Goodhart, erwarten mittlerweile in den nächsten Jahren einen Anstieg der Konsumentenpreise von 5 – 10 % pro Jahr. Damit sind natürlich die geschönten und viel zu niedrig ausgewiesenen Inflationsraten gemeint, während die reale Teuerungsrate etwa 5 – 8 % höher liegen dürfte. Nur durch die Täuschung über die wahre Höhe des Kaufkraftverlustes, ist die finanzielle Repression des Bürgers und die Rekapitalisierung des Kreditgeldsystems überhaupt möglich. Effekte, die trotz der steigenden Staatsverschuldung und der Ausweitung des Staatsapparates einen noch stärkeren Anstieg der Konsumentenpreise bisher verhinderten, könnten künftig wegfallen, so Goohart.

Um den Wirtschaftsstandort Europa und die USA zu erhalten und wieder zu stärken, wird man die Produktion aus Billiglohnländern zurückbringen müssen, weshalb die bisher inflationsdämpfenden Effekte verschwinden werden. In diesem Umfeld stark abwertender Währungen werden Gold und Silber zunehmend als sicherer Hafen gesehen, als Schutz vor der Inflationssteuer. Das Geld wurde bereits gedruckt und die EZB wird in den kommenden Jahren ihre Bilanzsumme weiterhin deutlich ausweiten müssen, um die Zinsen, trotz enormer Neuverschuldung der europäischen Staaten, niedrig halten zu können.

Corona und die Politik

Während Bayern den Katastrophenfall erneut ausgerufen hat und die allgemeine Ausgangsbeschränkung für Bayern vorschlägt, fordert in Italien die Mehrheit der Abgeordneten den Rücktritt des Ministerpräsidenten Giuseppe Conte, wegen seiner harten Corona-Politik. In Spanien fordern 70 ehemalige hohe Offiziere einen Militärputsch gegen die sozialistische Regierung wegen der Freiheitseinschränkungen im Land. So schrieb ein General im Ruhestand: „Bereitet euch auf den Kampf vor! Holen wir uns die Roten!!! Kopf hoch und auf zum Kampf!“, wie n-tv berichtet. Nicht nur in Frankreich, sondern auch in Argentinien gibt es große gewalttätige Proteste gegen die Regierungen. Selbst in den USA fordern Militärs ein Eingreifen um einen vom Ausland gesteuerten Putsch zu verhindern und Neuwahlen auszurichten.

Mit den erneuten Lockdowns droht eine weitere Spaltung der Bevölkerungen. Diese politischen Brandherde könnten sich ausweiten und die Kaufkraft der Währungen weiter unterminieren, weshalb gerade in diesen Krisenzeiten der sichere Hafen der Edelmetalle wichtiger denn je ist. Wir empfehlen daher den aktuellen Rücksetzer am Edelmetallmarkt zu nutzen, um noch einmal relativ günstig nachkaufen oder einsteigen zu können. Im nächsten Jahr wird der Goldpreis mit hoher Wahrscheinlichkeit weit über sein bisheriges Allzeithoch ansteigen und die Marke von 2.000 US-Dollar weit hinter sich lassen. Die Inflation wird in den kommenden Jahren weiter hoch bleiben und infolgedessen die Preise mit zweistelligen Raten ansteigen. Wer sein Vermögen nicht davor schützt, dessen Vermögen wird womöglich Opfer der Inflationssteuer und man wird den Großteil dessen verlieren.

Beste Grüße

Markus Blaschzok Chefökonom SOLIT / Inhaber Blaschzok Research

Über den Autor

Markus Blaschzok ist als Dipl.-Betriebswirt (FH) und Certified Financial Technician Autor eines bekannten Marktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Edelmetalle, Rohstoffe und Austrian Economics, sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler, Trader und Investoren. Vor der Gründung seines Research-Unternehmens im Jahr 2010 war er Chef-Analyst bei einem international tätigen Edelmetallhändler mit Sitz in München. Seit 2015 ist er Chef-Analyst bei der SOLIT Gruppe.